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Zwischenwerk VIII b

Heimatgeschichte > Aus der Geschichte Kölns

«VIII b», das einzige Zwischenwerk der Festungsstadt Cöln“ (Köln), von dem noch der umlaufende Graben und die Kehlkaponniere, auch Kehlgrabenwehr genannt (= Kehlgrabenstreiche), erhalten ist. Im Ge- gensatz zu anderen Kölner Festungswerken ist außerdem die Zugbrücke immer noch erhalten, sodass dieses Werk heute eine besondere Stellung im «Äußeren Festungsgürtel» einnimmt.
Unterhalten wird das «Zwischenwerk VIII b» heute von Verbandsmitgliedern des Kölner Forschungsins- tituts für Forschungsarchitektur, kurz CRIFA, ohne die die geschichtlichen Führungen wahrscheinlich nicht ange- boten würden.
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Diese Seite widme ich meinen Kölner Freunden HERBERT & ELFRIEDE B., die ich im Juli 2012 in Remicourt anlässlich der jährlichen Veranstaltung der «Spearheads» kennenlernte und bei denen ich am 3. August 2013 zu Gast in Köln sein durfte. Auf dem Programm stand unter anderem eine Schiffsrundfahrt auf dem Rhein sowie eine Stadtbesichtigung des Ortsteils Rodenkirchen. Für Be- köstigung war natürlich in ausreichendem Maße gesorgt. Doch damit nicht genug... Aus der Gegenwart wurde ich in die Vergangenheit geschickt, Tatort sollte das so genannte Kölner «Zwischenwerk VIII b» sein, das zwar nicht auf die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurückzuführen ist, dafür aber nicht weniger interessant ist...! Vielen Dank Euch beiden für den schönen Tag. Er wird mir immer in guter Erinnerung bleiben!

Die rheinische Stadt KÖLN (Colonia/Cöln) wurde namentlich das erste Mal 50 n.Chr. genannt. Im Zweiten Welt- krieg zerstörten hauptsächlich Flächenbombardements weite Teile der Stadt.
Als Kaiser Friedrich III. im Jahre 1475 Köln den Status einer «freien Reichsstadt» verleiht, ahnt niemand, dass französische Revolutionstruppen die Stadt einmal besetzen sollten, die fast 20jährige französische Herrschaft bedeu- tete das Ende der «freien Reichsstadt».
6. Oktober 1794, ein Datum, das einen der wichtigsten Wendepunkte in der Geschichte Kölns markiert. Franzö- sische Truppen marschieren in Köln ein. Seitdem das revolutionäre Frankreich 1792 seinen Expansionskrieg gegen Österreich und Preußen begonnen hatte und im Juni 1794 die belgische Stadt Fleurus eingenommen hatte, musste mit einer Besetzung des linken Rheinufers gerechnet werden. An eine Verteidigung der «Reichsstadt Köln» war dabei nicht zu denken.
So stand Köln von 1794 bis 1815, als die Stadt an Preußen gefallen war und sie zur Festungsstadt gegen die französische Bedrohung ausgebaut wurde, unter französischer Herrschaft. Die Kölner Verfassung von 1396 wurde dabei außer Kraft gesetzt.
Das Foto unten zeigt den «Kölner Dom», das Wahrzeichen Kölns, aus Sicht des Roncalliplatzes (Bild aufge- nommen am 12. Februar 2012).

Das Wahrzeichen Kölns

1815 wurde Köln preußisch. Noch im gleichen Jahr ordnete der König, König Friedrich Wilhelm III., den Ausbau der Stadt zur Festung an.
Der Bau der Forts undLünetten“ (Magazingebäude) des berüchtigten «Inneren Festungsgürtels» links- rheinisch wurde in den Jahren 1816-1863 bewerkstelligt. Schnell forderte der Deutsch-Französische Krieg von 1870-1871 mit immer größer werdenden Belagerungsgeschützen den Bau des «Äußeren Festungsgürtels», der 1872 durch eineAllerhöchste Kabinetts OrderKaiser Wilhems I. befohlen wurde.

Die Arbeiten zur Errichtung des «Äußeren Festungsgürtels» wurden 1873 eingeleitet und 1880 offiziell fertig gestellt. Dieses Mal wurden auch weite Teile rechtsrheinisch der Stadt in die Befestigungen eingeschlossen.
Mit 16 km Durchmesser und dem Kölner Dom als Zentrum bestand der «Äußere Festungsgürtel» aus 12 Haupt- werken und 23 Zwischenwerken. 1887 bis 1891 wurden die Anlagen verstärkt und 1907 teilweise noch um- gebaut.
Zur Versorgung der Forts und Zwischenwerke wurde eine «Ringstraße» rund um Köln angelegt. Heute ist sie in ausgebauter Form noch als Militärringstraße erhalten und eine wichtige Verkehrsader rund um Köln. Zur Zeit ihrer militärischen Nutzung wurde sie vor Einblicken durch eine Hainbuchenhecke geschützt. In der Armierungszeit wurde zumindest linksrheinisch noch zusätzlich eine Feldeisenbahn entlang der Ringstraße errichtet, um ein rasches Vorankommen der Armierungsbauarbeiten zu ermöglichen.
Auch wenn Köln beim Bau des «Äußeren Festungsgürtels» nicht über den Entwicklungsstand der letzten Generation von Festungsanlagen verfügte, so bildete dieser dennoch ein überaus interessantes Spektrum des Festungsbaus.
Die verwendeten Baumaterialien waren bis 1887 ausschließlich Ziegelsteine. Ab da wurden die Anlagen mit Sandpolstern und Beton verstärkt. Ab 1913 dann ausschließlich mit Beton und teilweise armiert.
Diese Karte zeigt die militärischen Anlagen Kölns von der Römerzeit bis zum Kriegsbeginn 1914. Die drei preußischen Verteidigungsgürtel sind gut zu erkennen: die Stadtumwallung, der Innere Festungsgürtel sowie der 42 km lange Äußere Festungsgürtel, an dessen Südfront sich die Rodenkirchener Vorfront und somit das «Zwischenwerk VIII befand (auf der Karte zu erkennen südöstlich von Marienburg).

Die militärischen Anlagen Kölns von der Römerzeit bis zum Kriegsbeginn 1914 (Quelle: www.festungsbauten.de)

Zwischenwerk VIII b

Köln
Marienburg/Rodenkirchen

Die so genannten Zwischenwerke waren Teil des «Äußeren Festungsgürtels» Kölns und wurden zwischen den 12 Hauptwerken (Forts) platziert. Eingeführt wurden die Zwischenwerke zur Artillerie, schnell aber wurden sie zu reinen Infanteriewerken umgebaut. Bis auf das «Zwischenwerk IV b» hatten alle anderen Zwischenan- lagen einen trapezförmigen Grundriss, so auch das «Zwischenwerk VIII b».

Im Stadtteil Marienburg gelegen bildet das «Zwischenwerk VIII b» den südlichen linksrheinischen Abschluss des «Äußeren Festungsgürtels». Zwar wurde das zur Rheinverteidigung erbaute Werk im Jahre 1926 zum Teil geschliffen, jedoch blieben Elemente wie der umlaufende Graben und die heute immer noch funktionstüchtige Zugbrücke, die dem Werk eine besondere Stellung gibt, erhalten. Auch die einstöckige Kehl- kaserne und die hervorstehendeKaponniere sind noch gut erhalten.
Dem Engagement des damaligen Kölner Bürgermeisters, Konrad Adenauer, ist es zu verdanken, dass einige „militärisch nicht wertvolle“ Kasernenräume ebenfalls erhalten blieben.

Noch gut zu erkennen: die Schießscharten und Rauchabzüge in der „Kehlkaponniere“

Bei unserem Rundgang unter fachkundiger Führung des Herrn Jürgen SCHNEIDER wurden wir ausführlich über den Bau und die Funktion des «Zwischenwerks VIII b» informiert.
Die wohl größte Attraktion im Innenbereich des Werkes ist der erst 2009 freigelegte bzw. freigeschaufelte (!) „Haupthohlgangdirekt gegenüber dem Eingangstor, nachdem er 80 Jahre verschüttet war. Deutlich zu er- kennen ist der eiserne Türrahmen, der durch die gewaltige Sprengung aus der Verankerung gerissen wurde und drei Meter nach vorne flog.
Zu Beginn unseres Besuches stießen wir auf ein Modell des Zwischenwerkes, ausgestellt an einem der «Tage der Forts». Anschließend begaben wir uns in den Festungsmuseumsbereich, wo Herr SCHNEIDER uns einige der zahlreichen strategischen Erläuterungskarten vorstellte. Im Zuge des Rundgangs stießen wir dann auf zahl- reiche historische Fotoaufnahmen des Werkes aus der damaligen Zeit.
Wir bekamen Mannschafts- und Pulverkammern zu sehen sowie die ehemalige Küche, ebenfalls noch gut er- halten.
Dort ausgestellt waren außerdem mehrere Grenzsteine des Festungsgeländes sowie Granaten und Messing- kartuschen in allen möglichen Varianten.
Wie Herr SCHNEIDER uns mitteilte, wurde das «Zwischenwerk VIII b» 1876 als Bereitschaftskaserne errichtet und sollte zur Abschreckung gegen die Franzosen dienen. Genützt hat es allerdings nicht viel.
Am Ende unseres Besuches bekamen wir die (letzte) original preußische Zugbrücke vorgeführt.
Uns blieb leider keine Zeit, um das Außengelände zu erkunden. Auf dem Dach entstand im Laufe der Jahre ein Rosengarten sowie ein Baumgehege mit Platanen. Heute ist von dem schmucken Garten nicht mehr viel zu erkennen, es werden lediglich die Bäume noch beschnitten und der Rasen gemäht.
Wie Herr SCHNEIDER uns noch mitteilte, leidet das Bauwerk leider massiv durch eindringende Feuchtigkeit, aber dem Verband (CRIFA) fehle die finanziellen Mittel, um die Unterhaltsarbeiten durchzuführen. Ferner wies Herr SCHNEIDER uns noch auf den steinernen Sockel in der Nähe des Haupteingangs hin. Die Vereinsmitglieder fanden ihn bei Restaurierungs- und Grabungsarbeiten.
Auf besagtem Sockel stand ursprünglich einmal eine Bronzestatue des Künstlers Franz von Stuck. Sie stand im Innenhof desWallraf-Richartz-Museumsam Kölner Minoritenplatz und zuletzt am Friesenplatz, wurde aber 1943 bei einem Luftangriff beschädigt und abtransportiert, möglicherweise ins «Zwischenwerk VIII b».
Herzlichen Dank Herr SCHNEIDER für die äußerst interessante Führung und die ausführlichen Infor- mationen!

Jürgen SCHNEIDER (Mitte) bei den Vorbereitungsarbeiten kurz vor Öffnung der Werksanlage

Die (letzte) original preußische Zugbrücke (Hebel/Klapp-Brücke) mit Unterschießblech

Der im Jahre 2009 freigeschaufelte (!) „Haupthohlgang“, die wohl größte Attraktion des Museums

Jürgen SCHNEIDER bei seinen Erklärungen

Schießscharten mit Rauchabzug in der „Kaponniere“

Der „Brunnen“ wurde durch Vereinsmitglieder der CRIFA freigelegt

Besuch der W.K.St.V. Unitas e.V., ältester katholischer Studenten- und Akademikerverband Deutschlands

«Zwischenwerk VIII b», rundum eine gelungene Zeitreise in die Vergangenheit und sehr aufschlussreich, was die damalige preußische Zeit anbetrifft. Zu finden im Stadtteil Marienburg/Rodenkirchen, im Bereich der Ga- belung Militärringstraße und Konrad-Adenauerstraße/Heinrich-Lübke-Ufer.
Nachstehend einige nützliche und praktische Informationen, Pressestimmen sowie sehr interessante Links rund um das «Zwischenwerk VIII b» und die Geschichte der Stadt Köln.
Wärmstens zu empfehlen die sehr interessante und aufschlussreiche Broschüre «FESTUNG CÖLN» des Herrn Robert SCHWIENBACHER, der sich seit Jahren mit der Kölner Festungsgeschichte auseinandersetzt und gerne durch die Gänge des «Zwischenwerks VIII b» führt. Die Broschüre (ca. 50 Seiten) geht ausführlich auf den «Äußeren Festungsgürtel» ein, enthält viele (historische) Fotoaufnahmen sowie einige Skizzen und Karten, ist in Deutsch abgefasst und kann während des Besuchs für nur 5 Euro am Haupteingang gekauft werden.
Ein Besuch des längst nicht in Vergessenheit geratenen Werkes «VIII b» lohnt sich in jedem Falle...!

Zwischenwerk VIII b - Kölner Festungsmusem
Ein Relikt der preußischen Festung Köln
Militärringstraße 10 (Ecke Konrad-
Adenauer-Straße)
D-50996 Köln

Jeden ersten Samstag und dritten Sonntag
im Monat
Jeweils um 12.00, 14.00 und 16.00 Uhr
Kontakt: +49 (0162) 73 99 505; info@crifa.de
GPS 06°58'57" ö.L., 50°53'55" n.Br.
Die Führung ist kostenlos!

Anfahrtsplan

Bildergalerie

«Zwischenwerk VIII b» in Köln/Rodenkirchen, 3. August 2013

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