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Remember Museum Teil II

Museen > Clermont

Marcel SCHMETZ baut eine V1-Rakete. Meine Freundin und ich saßen im Sofa und dachten nur noch an unsere beiden Kinder, die von jetzt auf gleich zur Welt kommen konnten. Es war der Abend des 12. Mai 2011. Wir vertrieben uns die Zeit mit Ferngucken und versuchten uns so etwas abzulenken. Das half nicht wirklich. Ich nahm mir eine Zeitschrift, die ich einige Tage zuvor in meinem Briefkasten vorgefunden hatte, blätterte und blätterte und blätterte, ohne jedoch wirklich hinzugucken. Dann plötzlich auf Seite 6, in Gross- buchstaben oben links: "Le Remember Museum aura bientôt son propre V1!" (dt. "das 'Remember Museum' verfügt bald über seine eigene V1-Rakete"). Am darauf folgenden Tag erblickten meine Zwillinge das Licht der Welt.

Das 'Remember Museum 39-45', Museum der Er- innerung, ist eines der wenigen besichtigten Museen, welches ich als einzigartig in seiner Klasse einstufe. Die Betreiber, das sind die "M&M's", Marcel und Ma- thilde SCHMETZ, die das Museum offiziell im Jahre 1994 gegründet haben. Nicht aber des Profites we- gen oder so, nein, bei den M&M's geht es um etwas ganz anderes...

Ich hatte mir den Zeitungsartikel gut aufbewahrt und mir war klar, dass ich der V1-Rakete irgendwann ei- nen Besuch abstatten würde. Als frisch gebackener und verantwortungsbewusster Familienvater musste ich meine Prioritäten natürlich etwas umkrempeln u. mir blieb in den ersten Monaten des Familiendaseins daher nur wenig Zeit für Museumsbesuche und mei- nen Bunkertouren.

Es sollte der 4. März 2012 werden, jener Tag, an dem ich Marcels persönliche V1-Rakete besichti- gen ging.

Am Morgen des 4. März 2012 ahnte ich noch nicht, dass der 4. März 2012 für mich persönlich ein unver- gesslicher Tag werden würde.

Marcel Schmetz beim Bau seiner V1-Rakete

Der Empfangsbereich

Oder besser gesagt die Empfangshalle...! Schon beim Betreten der 'Empfangshalle' begeistert diese durch Größe und Attraktivität. Gleich vorne links der Red Ball Express. Im Zweiten Weltkrieg diente er den Soldaten hauptsächlich dem Transport u. der Versorgung der Truppen. Hinterm Steuer saßen meist schwarzfarbige GIS, die so den Transport der Soldaten und Lebensmittel von der Normandie zu den jeweiligen Depots gewährleisteten.
Das Innere des 'Red Ball Express' haben Marcel und Mathilde in einen 'Cinema-Raum' umfunktioniert. Den Film '44-45' habe ich aus Zeitgründen leider nicht gesehen.

Mit viel Liebe zum Detail erklärt Marcel seinen Besuchern all die Gegenstände aus der Zeit des Zweiten Welt- krieges, die sich im Laufe der Jahre dort angesammelt und die Marcel und Mathilde immer wieder von Leuten aus unterschiedlichen Bereichen zugespielt bekommen haben. Marcel und Mathilde legen größten Wert auf Präzision und weisen die Besucher während des Rundgangs immer wieder darauf hin, dass die im 'Remem- ber Museum' ausgestellten Stücke alle ORIGINAL sind, bis auf zwei Kopien, worunter der selbst ge- baute Unterstellbunker im "Block II des Museums", nach den Originalmaßen eines hiesigen Unter- stellbunkers der belgischen Streitkräfte.

Marcel und Mathilde führen ihre Besucher IMMER PERSÖNLICH durch die Ausstellung

Der selbst gebaute Unterstellbunker im Block II des Museums

Ganz besonders stolz sind die M&M's auf diese Ori- ginalküche. "Bei ihrer Durchreise im November '44" verbrachten GIS ganze drei Wochen bei der Familie Schmetz und sorgten für das leibliche Wohl der El- tern und Geschwister.

Hintergrund

Es waren etwas mehr als 110 amerikanische Sol- daten der 1. US-Infanterie-Division, die nach der Schlacht im Hürtgenwald 1944 bei den El- tern Schmetz einkehrten, bevor es am 16. Dezember 1944 weiterging zur Ardennenschlacht. Sie hinter- ließen dabei all ihre Wertgegenstände. Übrigens wur- de mit der Luftpumpe (im Bild rechts außen) der Kü- chenherd angetrieben.

Das Bild unten zeigt die Familie Schmetz in ihrer Küche im Dezember 1944. Der kleine Junge auf dem Stuhl ist Marcel. Zu seiner Rechten, gut gekleidet, sein größerer Bruder, um nicht zu sagen großer Bru- der (während des Rundgangs wurde darüber ge- schmunzelt, dass sein älterer Bruder sehr groß ist).
Marcel und Mathilde wollten diese Szene so authen- tisch wie möglich nachstellen. Alle Teile sind auch hier Originalteile, selbst die Kleidungsstücke. Am Bei- spiel von Marcel, hier zu sehen einer seiner Pullover, den er selbst als kleiner Junge getragen hat.

Die Küche der Familie SCHMETZ im Beisein von US-Soldaten

Belgische Widerstandskämpfer verhelfen abgeschossenen britischen Kampffliegern zur Flucht

Der große Mann in blauer Arbeitskleidung im Bild oben rechts sollte bei Hausbränden erste Hilfe leisten. Mit nur einem Fahrrad, einer Axt und einer Schaufel gewappnet konnte er im Endeffekt nichts ausrichten, wie mir berichtet wurde. Das Vorderrad besaß eine Fahrradplakette. Ja und? "Ja und" will heißen, dass die Fahrradplakette zu einem der wert- vollsten Gegenstände des Museums gehört. Marcel u. Mathilde sind hierauf ganz besonders stolz. Schaut genauer hin!

Bild unten: ist insofern interessant, weil keiner der Besucher die Frage bis heute beantworten konnte. Schmunzelnd stellte mir ein anderer Museumsführer die Frage, warum die hiesigen Plumpsklos mit ei- gentlich traditionellem Herz-Loch in der Tür, in den USA das Herz-Loch ein Halbmond ist.

Zu Scherzen aufgelegt: Plumpsklo mit traditionnellem Herz-Loch oder doch "halbmondförmig"?

Tank Destroyer M10 im 'Remember Museum'

Neben dem selbst gebauten Unterstellbunker (oben) gibt es im 'Remember Museum' eine weitere Kopie eines Artilleriegeschützes (alle anderen ausgestellten Stücke sind Originalteile...!), der Tank Destroyer M10. Die M&M's benötigten hierfür nur 3 Monate.

Quelle: ww2incolor.com

Viele andere Szenarien komplettieren das Bild des 'Remember Museums'

Viele andere Szenarien nahm ich anlässlich meines Besuchs im 'Remember Museum' am 4. März 2012 in Augenschein. Ich war sehr überrascht und schwer angetan von der gigantischen Größe des 'Remember Museums', welches von außen doch so unscheinbar aussieht. Weitere Szenarien waren eine junge bel- gische Frau, die einem schwer verletzten US-Soldaten erste Hilfe leistet, Szenen aus der blu- tigsten Schlacht des Zweiten Weltkrieges, belgische Gefangenenlager, u.v.m.

Deutscher Kanonier mit (Original-)Lederbekleidung, um schweren Wetter- verhältnissen standzuhalten

Gefallene Soldaten des Zweiten Weltkrieges, die auf Friedhöfen in ganz Europa beigesetzt wurden

Elisha C. Peckham

Im Ostflügel der Empfangshalle erinnert in der großen Vitrine eine "Plastikfigur" dem Oberbefehls- haber Elisha C. Peckham. Marcel ist hierauf ganz besonders stolz, denn er hat diese Figur selbst ent- worfen und hergestellt. Im direkten Vergleich steht links das Porträt und rechts ein Originalfoto des Oberst. Die Ähnlichkeit ist verblüffend! Nähere Infor- mationen über Elisha C. Peckham HIER.

Bild unten: Citroën aus dem Jahre 1935 (fährt immer noch!). 1940 wurde der Wagen durch die deutsche Armee beschlagnahmt und für deren Ver- wendungszwecke eingesetzt.
Im Hintergrund: Offizier der deutschen GESTAPO.

Citroën aus dem Jahre 1935

Marcel hat den Citroën in seiner eigenen Karrosserie-Werkstatt, die er bis zu seiner Pensionierung betrieb, ge- neralüberholt und entsprechend den damaligen Gegebenheiten neu bemalt!

Marcels V1-Rakete

Wenige Dinge halten Marcel und Mathilde auf, besonders wenn es um ihr Meisterwerk geht, das 'Remember Museum 39-45'. Wenn Marcels Besucher ihn auf die berühmtberüchtigten Fiseler Fi 103 alias "V 1" ansprechen und sie der Meinung sind, dass die so genannte Vergeltungswaffe nur einige Meter lang war, springt Marcel sprichwörtlich aus der Hose. Kurzerhand entschied er sich zum Bau einer "V 1", die pünktlich zum Saisonstart 2011 fertiggestellt wurde.
Marcel war 11 Jahre alt, als seine Gemeinde Clermont versehentlich von einer V1-Rakete gecrasht wurde. Glücklicherweise explodierte sie nicht. So fielen während des Zweiten Weltkrieges allein im Raum Lüttich etwa 2000 V1-Raketen.
Marcel baute die V1 im Maßstab 1:35.000. Heute präsentiert er sie stolz im Empfangsbereich des Museums und zwar mit originalgetreuer Geräuschkulisse (bombastisch!).
Der
Besucher weiß jetzt, dass die V1 tatsächlich eine Länge von sage und schreibe 8 m und einen Umfang von knapp 5 m aufwies.

Marcels V1-Rakete, erbaut im Maßstab 1:35000

Marcel in seinem Element

RAFFINIERT: beim Bau der Vergeltungswaffe griff Marcel auf den Heizstab eines Küchenhaushalts- gerätes... zurück!

Bekanntheitsgrad des 'Remember Museums 39-45'

Das 'Remember Museum 39-45' (Museum der Erinnerung) kann besichtigt werden RUE LES BEOLLES 4 in B-4890 THIMISTER-CLERMONT (nahe BATTICE; siehe FORT BATTICE). Auch wenn das Museum in einer kleinen Dorfgemeinde platziert ist, ziemlich abgelegen vom Dorfgeschehen, und es auf den ersten Blick relativ unscheinbar aussehen mag, so ist dieses dennoch einzigartig in seiner Klasse! Jahr für Jahr be- sichtigen Menschen aus aller Welt das Museum, nicht nur einzelne Besucher, Journalisten, His- toriker oder Schulklassen, nein, Kriegsveteranen, Soldaten und Prominente, beispielsweise aus den USA, reisen Jahr für Jahr das Museum per Helikopter (!) an, und statten den M&M's regel- mäßig und immer wieder gerne einen Besuch ab. Im Dezember 2011 war es der amerikanische Botschafter in Brüssel, Howard Gutman, der das Museum mit seiner Frau, seinem Sohn Collin und ei- nigen Polizisten in Zivil besichtigte. Länger als geplant verweilten sie dort.
Allein Weihnachten 2011 waren es um die 600 (!) Postkarten, die Marcel und Mathilde ihren Lieben in den USA zukommen ließen. Ein Museum, das ich wirklich nur empfehlen kann!

Marcels u. Mathildes Fotoalben mit den vielen (prominenten) Besuchern des Museums

Howard Gutman im 'Remember Museum'

Er blieb länger als geplant...

Am 4. März 2012 stattete ich dem 'Remember Museum 39-45' wieder einmal einen Besuch ab und wieder einmal bin ich voll auf meine Kosten gekommen. Das Museum ist einzigartig in seiner Klasse und es werden noch viele Besuche vonnöten sein, um das ganze Potential, was in dem Museum steckt, zumindest ansatz- weise zu begreifen.
Marcel und Mathilde sind sehr gastfreundlich und haben immer ein offenes Ohr für die Fragen der Besucher. Am 4. März 2012 vebrachte ich dort einige Stunden, viel länger als geplant! Marcel und Mathilde luden mich zu einer Tasse Kaffee ein (!) und wir verbrachten zusammen einige Zeit in der kleinen charmanten Küche, wo ich den Rest der Mannschaft kennenlernte. Für mich persönlich ein unvergessliches Erlebnis!

Marcel und Mathilde, ihr seid herrlich. A bientôt!

Bildergalerie

Weitere Informationen über das 'Remember Museum 39-45' in Thimister-Clermont HIER oder auf der OFFIZIELLEN HOMEPAGE des Museums!

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