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Patenschaftsfeier 2012

PATENSCHAFTEN VON HENRI-CHAPELLE

2012 wurde die Patenschaftsfeier in Henri-Chapelle am 20. September 2012 zelebriert. Ich begab mich an jenem 20. September nach Henri-Chapelle, um der Ze- remonie einen Besuch abzustatten.
Ich muss gestehen, dass es für mich die erste Ver- anstaltung dieser Art war und wusste nicht, was mich dort an diesem Tag erwarten würde. Wohl aber wusste ich, dass ich nicht ohne Grund dahin fuhr...
Der Tag kündigte sich für spätsommerliche Verhältnisse relativ eisig an, aber trocken. Im Endeffekt konnte das Wetter an diesem Tag nicht besser ausfallen. Leicht be- deckt, aber dafür viel Sonne...!
Die Feierlichkeiten wurden in Anwesenheit vieler re- gionaler Persönlichkeiten sowie einiger Kriegs- veteranen aus den Vereinigten Staaten zelebriert. Außerdem waren dort zahlreiche Schulklassen aus der Gegend vertreten. Einige gestalteten die Feier mit, andere ließen es sich nicht nehmen, ebenfalls eine Grab- patenschaft zu übernehmen.
Ganz besonders stolz konnten die Veranstalter in die- sem Jahr auf die Anwesenheit zweier Familien- angehörigen eines 1944 in Wereth hingerich- teten afro-amerikanischen GI sein.
Neben dem Zeremonienmeister sowie einigen anderen Angehörigen des US-Ehrenfriedhofs bzw. der Vereini- gung «Le Briscard» führte Mathilde SCHMETZ des Re- member Museums 39-45 in Thimister die Gesellschaft durch das Programm.

Henri-Chapelle, 20.09.2012

Anfangs waren auf dem Soldatenfriedhof nur vereinzelt Leute anzutreffen. Zeit genug für die Helfer letzte Säu- berungsaktionen an den Gräbern durchzuführen. Letzte Vorbereitungsmaßnahmen auch für die Tontechnik und die Veranstalter, als es beispielsweise darum ging, die Patenschaftsliste ein letztes Mal durchzugehen.
Wie dies bei der jährlich stattfindenden Patenschaftsfeier so üblich ist, waren an diesem Vormittag wieder einige patriotische Vereinigungen vertreten, deren zahlreiche Mitglieder mir vereinzelt natürlich bekannt sind.
Die Veranstaltung begann, insofern ich mich erinnern kann, mit gut 15-minütiger Verspätung, was aber der Atmosphäre keinen Abbruch tat.
Ein besonders emotionaler Moment war die Ankunft der aus den Vereinigten Staaten angereisten Else Pritchet
unmittelbar vor Beginn der Veranstaltung. Und zwar ist E. Pritchet die Tochter des ehrenwerten US-Soldaten William M. Pritchet, hingerichtet in « Wereth » am 17. Dezember 1944, also genau einen Tag nach Beginn der Ardennenoffensive. Wie mir zugetragen wurde, waren Else Pritchet und Familienangehörige einige Tage zuvor angereist und während ihres Aufenthalts in Belgien bei den M&M's (Marcel und Mathilde SCHMETZ des Re- member Museums 39-45) untergebracht.
Mit dem Einmarsch der patriotischen Vereinigungen ins US-Arsenal wurde die Veranstaltung offiziell eingeläutet. An erster Stelle der Dudelsackpfeiffer, der an diesem Tag natürlich eines der Hauptaugenmerke der Veran- staltung bildete.

Henri-Chapelle, 20.09.2012

Anfangs nur vereinzelt Leute anzutreffen - Viele Gräber waren bereits mit Rosen und Fahnen bestückt

Letzte Säuberungsaktionen

Letzte Einstellungen an der Tontechnik

Letzte Absprache am Rednerpult

Unter den Ehrengästen weilte auch die Tochter des im Dezember 1944 in Wereth gefallenen William M. Pritchet, Else Pritchet. International bekannt wurde « Wereth » vor einigen Jahren durch die Errichtung eines Kriegerdenkmals, das europaweit das einzige Kriegerdenkmal ist, welches ausschließlich afro-amerikanischen Soldaten gewidmet ist. Der Hintergund ist, dass elf schwarze, völlig entkräftete und ausgehungerte Soldaten in der mör- derischen Ardennenschlacht Unterschlupf bei einer Eifeler Familie (Familie H. Langer) fanden, sie aber durch einen Hinweis aus der Bevölkerung der SS zum Opfer fielen. Alle elf Soldaten wurden entgegen dem Kriegsrecht auf bes- tialischer Weise gefoltert und massakriert.

Familienangehörige eines in Wereth gefallenen GI zu Besuch in Henri-Chapelle

Beginn der Patenschaftsfeier - Auftakt durch die Sympathisanten und den "Bagpiper"

Zu den Ehrengästen zählten auch zahlreiche Persönlich- keiten aus Politik und Gesellschaft, (hochrangige) Militär- angehörige sowie die aus den USA eingeflogenen Kriegs- veteranen, Mister Schumacher, 9. US-Infanteriedivision, Mister Campia, 607. Graves Company, und Mister Bill RYAN.

1943
war Bill RYAN noch als Fallschirmspringer im Ver- einigten Königreich im Einsatz. 1944 wurde er dann aus Mangel an Streitkräften der 1. US-Infanteriedivision zu- geteilt. Bill RYAN musste sich dem dramatischen Kampf um Omaha Beach stellen. Zu diesem Zeitpunkt war er nur 18 Jahre alt. Im Kampf um Omaha Beach wurde er an der Stirn und an der Schulter getroffen. Er stand dem Tode nahe, doch das Schicksal meinte es gut mit ihm. Zwei Soldaten, deren Namen er bis heute nicht in Erfahrung bringen konnte, holten ihn aus dem Wasser. Von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr abends (!) harrte er am Strand aus, wurde anschließend vollkommen entkräftet und unterkühlt in ein Krankenhaus eingeliefert. Nur halb genesen wurde er vorzeitig aus dem Krankenhaus ent- lassen und unterstand wieder der Big Red One. Durch seine Kriegsverletzung konnte er seinen erlernten Beruf als Fallschirmspringer nicht mehr ausüben. Heute ist RYAN 86 Jahre alt und lässt keine Gelegenheit aus, um dem Ehrenfriedhof von Henri-Chapelle desöfteren einen Besuch abzustatten.

Henri-Chapelle, 20.09.2012

Drei Kriegsveteranen eingeflogen aus den USA

Zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft

(Hochrangige) Militärangehörige

Michel DUCHENE, Präsident des Cercle Royal «Le Bris- card» ergriff als erster das Wort, gefolgt von Mathilde SCHMETZ des Remember Museums und einem wei- teren Vertreter des Cercle Royal. Anschließend sprachen Schulkinder und mahnten die Menschen zum Frieden. Ein sehr emotionaler Moment.
Nach der Kranzniederlegung bekamen die neuen Paten dann ihre Patenschaftsurkunde überreicht. Zu diesem Zweck hielten Kinder wohlgeordnet in Reih und Glied kleine Schautafeln mit den Buchstaben des Alphabets in ihren Händen, die die Stellen kennzeichneten, an denen sich die Paten begaben, um an Ort und Stelle ihre Urkunden entgegenzunehmen. Die Paten wurden alle einzeln aufgerufen und es waren acht Ehrengäste, die den Paten die Urkunden mit einem Gratulationswort überreichten. Der feierliche Akt wurde außerdem mit kräftigem Handschlag besiegelt.
Die Ehre eine Grabpatenschaft für einen gefallenen US- Soldaten übernehmen zu dürfen, der für die Befreiung unseres Vaterlandes sein Leben opferte, soll jeden Paten mit großem Stolz erfüllen. Es steht jedem Paten frei, was er daraus macht. Allerdings wäre eine Paten- schaftsübernahme nur aus Prestigegründen pietätlos.
Üblich ist, dass die Paten das Grab ihres Patenkinds mindestens einmal im Jahr mit Rosen und/oder Blu- mensträußen schmücken, nach Möglichkeit am Ge- burtstag des Soldaten oder zu besonderen Anlässen (Memorial Day, Nationalfeiertag, 11. November usw.).
Es braucht nicht betont zu werden, dass die Soldaten fern ihrer Heimat beigesetzt wurden und sie daher für die Familienangehörigen nur schwer erreichbar sind.

Henri-Chapelle, 20.09.2012

Michel DUCHENE, Präsident des Cercle Royal «Le Briscard»

Das Interesse der Kinder an der Kriegszeit wirkte besonders emotional

Die Kranzniederlegung

Die Patenschaftsübernahme

Mister GILLESPIE

Die Feierlichkeiten endeten mit dem Singen der Nationalhymnen. Anschließend begaben sich die Paten zu den Grä- bern, wo sie Blumen und Kränze ablegten.
Auch Besucher und Familienangehörige ließen es sich nicht nehmen, um an diesem Tag Soldatengräber aufzusuchen. Aus der Ferne sah ich, wie ein Fernsehteam einen Mann und Kinder mit einer großen amerikanischen Flagge in der Hand filmte. Das machte mich neugierig. Vor Ort traf ich auf jenen Mann, der mir bereits einige Male zuvor positiv auf dem US-Ehrenfriedhof aufgefallen war. Jetzt weiß ich, dass dieser Mann, ein Herr namens GILLESPIE, kein anderer ist als ein direkter Familienangehöriger eines auf dem US-Ehrenfriedhof begrabenen US-Soldaten. Aus Respekt vor der Familie habe ich nicht nach den genauen Familienverhältnissen und dem Kriegsumstand gefragt. Schwer berührt war ich allemal!

Die Grabpatenschaft von Henri-Chapelle

Insgesamt ist die Grabpatenschaft von Henri-Chapelle (als auch die des Ardennenfriedhofs in Neuville-en-Condroz) ein Zeichen der Dankbarkeit an all jene Soldaten, die vor vielen Jahren auf unserem Territorium den Tod fanden, um für unsere Befreiung zu kämpfen.

Die Grabpatenschaft 2012 in Henri-Chapelle zählte wieder viele Eintragungen. In diesem Jahr auch viele Eintragungen aus den Niederlanden. Wie mir vor Ort zugetragen wurde, übernahmen am 20. September 2012 annähernd 300 Holländer eine Grabpatenschaft.

Die Grabpatenschaft, ein Muss für alle, die für die Erinnerung etwas übrig haben...!

20. September 2012


Tag, an dem ich die Patenschaft für


Pfc. Arthur C. Andrade


ü
bernehmen durfte.

Die Ehre, eine Grabpatenschaft für Pfc. Arthur C. Andrade übernommen zu haben, erfüllt mich mit großem Stolz.

Mehr dazu in der Rubrik
GRABADOPTION

Viele gesammelte Eindrücke anlässlich der Grabpatenschaft 2012 in Henri-Chapelle.


Weitere Fotos in der Rubrik
20.09.2012: BILDERGALERIE

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