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NEIN! zum Abriss

ZEITUNGSARTIKEL > 2013 > 08.2013 Lousberg-Bunker

NEIN! ZUM ABRISS - In AACHEN droht ein «FÜHRUNGSBUNKER» einfach weggeräumt zu werden, er ist aber Zeugnis der örtlich aber auch überörtlich bedeutsamen Geschichte

10. September 1944 - Die amerikanischen Streitkräfte erreichen den Aachener Stadtwald. Obwohl zu dieser Zeit praktisch keine organisierte Gegenwehr möglich war, stießen die amerikanischen Panzer nicht einfach durch Aachen durch.
Der Kommandeur der 116. Panzerdivision, Gerhard Graf von Schwerin, der mit der Verteidigung der Stadt beauftragt worden war, versuchte vergeblich zu signalisieren, dass man sich der Einnahme Aachens nicht wider- setzen würde. Er widersetzte sich hiermit dem Befehl Hitlers, die Stadt, Mahnmal des Germanentums, bis zum letzten Mann zu verteidigen. Von Schwerin wurde seines Kommandos enthoben, die 116. Panzerdivision ersetzt durch die 246. Volksgrenadier-Division unter dem Kommando des Oberst Gerhard WILCK.

Ausgangslage Anfang Oktober 1944


Oberst GERHARD WILCK (im Bild rechts)

Oberst Gerhard WILCK wurde zum Stadtkommandanten von Aachen ernannt. Als sich der Ring um Aachen immer mehr schloss und es für den deutschen Befehlshaber zunehmend unmöglich wurde, den Kontakt zu den nach Aachen befohlenen deutschen Einheiten zu halten, verlegte der Kampfkommandant seinen Gefechtsstand in den Bunker «Rütscherstraße» Lousbergbunker») in Aachen. Am 16. Oktober hatten die Ameri- kaner den Ring um Aachen geschlossen.


Als das Ende des Krieges schon abzusehen war, harrte in diesem Bunker der letzte Kampfkommandant der Wehrmacht in Aachen gemäß den nationalsozialistischen Befehlen aus. Dieses Verhalten kostete noch in den letzten Kriegswochen vom 5. bis 21. Oktober 1944 vielen Menschen in Aachen das Leben

20. Oktober 1944 - Wegen der knapp gewordenen Vorräte an Munition und Lebensmitteln, aber auch an geschütztem Platz lässt WILCK 70 amerikanische Kriegsgefangene einfach frei.
Die Amerikaner stehen unmittelbar vor dem Führungsbunker. Das inzwischen auf 200 Meter Schussweite in Stellung gebrachte 155-mm Geschütz hätte die Mauern des schweren Bunkers brechen können. Obwohl die Eroberung der Stadt aus strategischer Sicht völlig nutzlos war (die Hauptkampflinie verlief östlich der Stadt am Westwall), war Wilcks Kapitulation für die Amerikaner propagandistisch von großer Bedeutung. Es ging darum, den Bann, der die Grenzen des Deutschen Reichs zu schützen schien, zu brechen. Den Ameri- kanern war es das Opfern von 8.000 Soldaten jedenfalls wert.

Am Morgen des 21. Oktobers 1944 erschienen drei amerikanische Soldaten mit weißer Fahne vor dem Bunker, um die erwartete Kapitulationserklärung entgegen zu nehmen. Das hatte gewaltige Symbolkraft.

Die Uhr schlug 12.05 Uhr („5 nach 12“), als der zum Stadtkommandanten ernannte Oberst Gerhard WILCK am 21. Oktober 1944 im Gefechtsstand des Leutnants Colonel John Corley, Kommandant des 26. Infanterie-Regimentes der 1. US-Infanteriedivision (Big Red One), die Stadt den Amerikanern übergibt und die Kapitulationserklärung bedingungslos unterzeichnet.

WILCK bei der Kapitulationsunterzeichnung

Text der Kapitulationserklärung

"I, Colonel Gerhard Wilck, commander of the German Gerrison of Aachen, Germany, hereby surrender as of this hour, all troops, aims, material, and fortifications under my command to the United States Army, it beeing agreed that all said troops will treated as prisoners of war. Likewise the medical personnel, sick, and wounded turned for disposition in acordance with the provisions of the Geneva Convention of 1929. All these troops have been disarmed,
1200 Hours, 21st day of October 1944,
at Aachen, Germany.
signed
Gerhard Wilck, Colonel."


Im Hinblick auf die Unterzeichnung der Kapitulation soll WILCK mit einem «Jeep» abgeholt worden sein (diesbezüglich gibt es unterschiedliche Darstellungen, nach denen WILCK den Weg auch zu Fuß zurückgelegt haben könnte)

Das Bild unten zeigt den Zerstörungsgrad Aachens in den Oktobertagen 1944, als Oberst Gerhard WILCK die Kapitulation unterzeichnete, oder es ist eine Zufallsaufnahme aus diesen Kriegstagen in der Stadt, in der sich auch noch mehr oder weniger versteckt tausend Zivilisten aufhielten

Das Schicksal Aachen wurde nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch bei den Alliierten aufmerksam verfolgt. Aachen war die erste deutsche Großstadt, die von den Alliierten erobert wurde. Die Kapitulation von Oberst WILCK hatte eine enorme Symbolkraft für die ganze Welt. Fotos und Filme der Ereignisse fanden und finden bis heute große Beachtung (die «New York Times» berichtete von dem Ereignis damals in Text und Bild auf ihrer Titelseite).

Nichtsdestotrotz soll genau dieser «Hochbunker in der Aachener Rütscherstraße» nun einem Bauprojekt für Stadtwohnungen weichen, der Bunker, der bei den letzten Kampfhandlungen um die Aachener Innenstadt im Oktober 1944 eine große Rolle spielte und Symbol für die erste Kapitulation Deutschlands vor dem Ansturm der alliierten Streitkräfte ist. Anfang der 40er Jahre wurde der Bunker dort zum Schutz der Zivilbevölkerung errichtet, wie es in vielen anderen Städten des Reichsgebiets der Fall war. Für den Bau war die städtische Bau- verwaltung verantwortlich, die die Aufträge an ortsansässige Firmen vergab. Letztere setzten meist Zwangsar- beiter für den Bau ein.

Luftschutzbunker «Rütscherstraße» in Aachen


Hier endete die Diktatur und fing die Freiheit an

Die Spuren heftiger Kämpfe sind auch heute noch sichtbar. Allein die kahle Betonhülle mit ihren zahl- losen Einschüssen und Kratern zeugt von der Gewalt und Zerstörung, die mit der Vertreibung der nationalsozialistischen Diktatur einherging.

Noch heute erinnert eine gut erhaltene Mahn- tafel am südlichen Eingang des Bunkers an den historischen Tag von 1944: "Hier endete am 21. Oktober 1944 für Aachen die Naziherr- schaft, und es begannen Freiheit und Demo- kratie". Am anderen Eingang des Bunkers (Seite Rütscherstraße) erinnert eine weitere Tafel da- ran, dass hier Stadtkommandant WILCK vom 15. bis zum 21. Oktober 1944 ausharrte.


Bürgerinitiative gestartet

Der Bunker war im Bundesbesitz, wurde aber an einen «Aachener Investor» veräußert, der dort moderne Wohneinheiten errichten möchte. Möglich war die Veräußerung nur deswegen, weil der Bunker nicht unter Denkmalschutz steht. Tatsächlich wurde er seinerzeit nicht mit ins Programm aufgenommen, weil er im Inneren nach dem Krieg stark verändert wurde.

Nun wurde eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen, inzwischen wurden schon weit über 800 Unterschriften für den Erhalt des Hochbunkers gesammelt. Manche befürchten monatelange Lärm-, Staub- und Verkehrsbe- lastungen für das Lousbergviertel, andere schieben die historische Bedeutung des wuchtigen Gebäudes in den Vordergrund. In den «Aachener Nachrichten» beispielsweise kann man nachlesen:

"In Aachen droht ein Objekt, das für die Niederwerfung des NS-Staates von geradezu symbolischer Bedeutung ist und das bislang im öffentlichen Eigentum steht, verloren zu gehen. Es sei "nicht verständlich und auch rechtlich befremdlich", dass der Bunker nicht in die Denkmalliste aufgenommen worden sei. Wie kann sich der Staat hier selbst aus seiner Verantwortung für ein (der Sache nach unzweifelhaftes) Denkmal der Geschichte des Zweiten Weltkrieges aus der Verantwortung nehmen (...)?"

Auch die offizielle Petitionsseite im Internet change.org, die neben der Facebook-Seite zu diesem Zweck speziell eingerichtet wurde, wehrt sich vehement gegen das Vorhaben:

"Diese Orte sind Denkmäler schlechthin, und der Hochbunker in der Försterstraße erst recht, und dürfen nicht aus unserem kollektiven europäischen Bewusstsein verschwinden. Nicht nur erinnern die Hochbunker an die Schrecken der NS-Diktatur, an Tage und Nächte während Menschen darin vor Luftangriffen Schutz suchten. Sondern gerade der Hochbunker in der Försterstraße ist einer der ersten Orte der Stunde Null, aus der ein freies, demokratisches Deutschland hervorgegangen ist."

Für Hein KLUCK ist es eine Herzensangelegenheit. Sechs Jahre war er alt, als der Krieg nach Aachen kam und die amerikanischen "Thunderbolts vom Typ P-47" die Stadt bombardierten: "Wir wohnten auf der Roermonder Straße, der Bunker hat uns das Leben gerettet.“ (Siehe Presseartikel).

PETITIONSKAMPAGNE

«HELFT MIT UND UNTERZEICHNET DIE PETITION»

Offizielle Petitionsseite: www.change.org

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