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Montzen u. Umgebung Teil I

BATTLETOURING

Am 19. April 2009, bei mäßigem Wetter, unternahm ich eine kleine Tour durch meine zweite Heimatstadt Montzen und Großraum Montzen. Ich startete gegen 12 Uhr, musste aber wieder gegen 15 Uhr zu Hause sein, da ich noch anderswo hin musste. Damals kannte ich die Gegend noch nicht so gut wie heute und muss sagen, dass ich aus damaliger Sicht sehr erstaunt war über die Vielzahl von Kriegsschauplätzen in meiner Gegend und dies in einem Umkreis von nur 10 Kilometern.
Der
US-Ehrenfriedhof Henri-Chapelle gehört wohl zu den Top-Attraktionen dieser Gegend, oder aber der Luftschutzbunker Henri-Chapelle, unweit dieses Soldatenfriedhofes, oder noch die Luftschutzbunker in Hombourg und Sippenaeken, oder gar Pickelpuss zum Gedenken an die gefallenen Soldaten der Boeing B-17 Flying Fortress.
Doch damit nicht genug. Viele andere Gedenkstätten können in meiner Gegend besichtigt und erkundet werden.
Also unternahm ich an diesem 19. April besagte Battletour, eine schöne u. kleine, überschaulische Nachmittagstour, von nur 3 Stunden, aber dafür sicherlich nicht minder interessant.

Tatort Montzen

Um noch einmal kurz auf den eigentlichen Ort MONTZEN und seinen geschichtlichen Kontext während des Zweiten Weltkriegs zurückzu- kommen (alles Weitere findet ihr in den Rubriken Montzen und Montzen-Gare):

Das kleine Dorf Montzen ist ein Ort im Osten Belgiens mit etwa 3000 Einwohnern. In den Jahren 1940-1945 entzogen sich viele Montzener Bürger ihrer Dienstpflicht und verließen ihre Häuser aus freien Stücken, um ins Landesinnere Unterschlupf zu finden. Die Häuser wurden dann direkt durch die deutsche Besatzung beschlagnahmt, die diese entweder vermietete oder zum Verkauf anbot.
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Am 28. April 1944 bombardierten alliierte Luftstreitkräfte den aus dem Jahre 1917 stammenden Montzener Bahnhof, "LA GARE DE MONTZEN", wie unsereins ihn nennt. Viele Gebäude wurden da- bei völlig zerstört und unbewohnbar gemacht.
Heute ist das Viertel um den Montzener Bahnhof komplett aus- gebaut. Viele Häuser und Villen sind in der Zwischenzeit dort er- richtet worden und die Anzahl neuer Immobilien nimmt von Jahr zu Jahr stetig zu.
Was den aus dem Jahre 1916 stammenden Eisenbahnviadukt bei Moresnet anbetrifft (erbaut im Ersten Weltkrieg durch deutsche Truppen), so bildete dieses im Zweiten Weltkrieg einen strate- gisch wichtigen Punkt. Stark umkämpft wurde das Viadukt insge- samt zweimal zerstört.
Nach Kriegsende wurde das Moresneter Viadukt dann wieder er- richtet und ist bis heute die einzige Eisenbahnverbindung zw. dem Hafen in Antwerpen und der Ruhr.

Luftbildaufnahme des Montzen-Gare-Viertels im Jahre 1973 (Quelle: Léon B., Montzen)

Montzen-City

Wenn mich Leute nach meinem Wohnort fragen und ich darauf "Montzen" sage, bekomme ich desöfteren zu sagen: "Aaaah, aus Montzen ... Mauntze-City". Nicht ohne Grund? Die wenigen Arbei- ter, die der Montzener Bahnhof damals zählte, reichten oft nicht aus, um einen Bahnhof solchen Umfangs langfristig zu verwalten. Die meisten Arbeiter waren "nur Angestellte" und hatten keine Erfahrung. Schnell musste Abhilfe geschaffen und nach zusätz- lichen qualifizierten Beamten, Angestellten und Arbeitern gesucht werden, sodass vielerorts Personal aus anderen Bahnhöfen abge- worben und in Montzen eingesetzt wurde. Nur so konnte die "Gare de Montzen" zumindest ansatzweise über das nötige Kon- tigent verfügen und funktionieren. Wie andererorts gab es auch in Montzen wenig Unterkünfte, um dieses Personal zu beherbergen. Die belgische Eisenbahngesellschaft (SNCB) beauftragte aus die- sem Grund ihre Angestellten mit dem Bau einer - Cité - (Sied- lung). - Montzen-Cité - wurde geboren.

Die "Cité" 1935 (die heutige "Rue des Champs") (Quelle: Léon B., Montzen)

1 st U.S. Infantry Division Monument

Beginnen möchte ich meine Tour an der Schneise zwischen Henri-Chapelle und Battice, von Henri-Cha- pelle kommend, unmittelbar nach der scharfen Links- kurve hinter der Diskothek "Acte 6" auf der linken Seite, wo mich die erste Gedenkstätte für ge- fallene Soldaten der ersten US-Infanterie-Di- vision erwartete.

Das Denkmal erinnert an die gefallenen Soldaten während der Kämpfe in Belgien der 1. US-Infanterie-Divi- sion, auch als "Big Red One" bekannt. Mir liegen keine Informationen weder über das Datum der Errichtung noch über den Erschaffer dieses ehrenwerten Monumentes vor.

30th Infantry Division

Als Nächstes hatte ich Aubel im Visier. Beim Vorbeifahren wurde ich auf ein Denkmal aufmerksam, welches ich bis dato jedoch nicht in Augenschein genommen hatte. Vom US-Obelisk aus gesehen fährt man bis Aubel querfeldein etwa 7 Minuten.
Das Denkmal erinnert an die 30. US-Infanterie-Division, die im Oktober 1944 ihren Angriff begann, um Aachen einzuschließen. Die 30. US-Infanterie-Division benötigte rund 15 Tage, um ihr Angriffsziel im Raum Würselen zu erreichen und damit auch den Ring um Aachen zu schließen. Sie hatten sich gegen ausgebaute deutsche Stellungen und erbitterten Widerstand durchzusetzen.

Die deutsche Grenze Merckhof-Aubel

Das nächste Kriegerdenkmal befand sich wieder in Henri-Chapelle. Von Aubel aus fuhr ich dieses Mal in die andere Richtung, d.h. in Richtung Hombourg, um über den US-Ehrenfriedhof wieder auf die Hauptstraße im Zentrum von Henri-Chapelle zu gelangen. Ich fuhr einige hundert Meter und gelangte auf die Haupt- verkehrsachse "Aubel-Maastricht-Hombourg". Ich traute meinen Augen nicht, als ich vor meiner Nase ein mir bisher nicht bekanntes Kriegsereignis entdeckte, die "Deutsche Grenze Merckhof-Aubel".

Und zwar wurde die Deutsche Grenze Merckhof-Aubel errichtet, um die annektierten Gebiete (in der Naziter- minologie "Heim ins Reich gerufene Dörfer" genannt) vom restlichen Belgien abzutrennen. Sie wurde durch die deutsche Besatzung am 6. Juni 1940 eingeführt und blieb bestehen bis zum 11. September 1944, also bis zu dem Tag, an dem die alliierten Truppen die annektierten Gebiete von Nazi-Deutschland befreiten.
Die Grenze befand sich am "Merckhof", zwischen Aubel, das belgisch blieb, und den Dörfern, die das deutsche Reich sich einverleibt hatte.

Auf dem Originalfoto sind links außen außerdem zwei Damen zu erkennen (hier nicht abgebildet). Es handelte sich hierbei um zwei Schwestern:
Frau Vetler-Mertens, Aubel, und ihre Schwester Frau Pons-Mertens, Plombières.
Plombières war ein annektiertes Dorf. Die beiden Schwestern konnten sich zwar treffen, jedoch nicht die Grenze überschreiten. Für eine Grenzüberschreitung benötigte man zu Hitlers Zeit einen deutschen Passierschein.

Die Kreuzung heute

Im Ortskern von Henri-Chapelle aus Richtung Aubel oder Battice befindet sich an der Kreuzung rechts rein in Richtung Welkenraedt ein relativ groß angelegtes Denkmal an einem Kreisverkehr, welches ich allerdings nicht zu- ordnen kann...! "Souvenir de la Mission 1948".
"Zum Gedenken an die Mission 1948". Ein historisches Denkmal aus dem Zweiten Weltkrieg oder der Nach- kriegszeit? Was war im Jahre 1948? Was war 1948 in bzw. um Henri-Chapelle? Ich habe recherchiert, ohne Erfolg. Vielleicht kann mir jemand weiterhelfen...

Deutscher Panzer auf der Place communale in Montzen

Als Nächstes hatte ich nun Montzen eingeplant. Von Henri-Chapelle aus nur wenige Kilometer. Vorbei am PICKELPUSS traf ich gegen 13.00 Uhr auf dem großen Platz in Montzen ein, Montzens Herzstück.
Mir war absolut nicht bekannt, dass hier einst ein deutscher Panzer gestanden haben soll, aber es stimmt!
Durch Zufall entdeckte ich diesen in einem Tagebuch einer Montzenerin. Die damals Siebzehnjährige hatte hautnah erlebt, wie Verwandte und Bekannte französische Soldaten in die Freiheit schleusten und ihnen so wahrscheinlich das Leben retteten.

Quelle: Albert T., Montzen. Beim Rückzug der deutschen Truppen ließ die deutsche Besatzung den Panzer in den frühen Morgenstunden des 12. Septembers 1944 sprengen. Im Hintergrund das Montzener Rathaus. Die Villa rechts hinter dem Pavillon beherbergte die NSDAP des "Amtes Montzen".

Die Place communale heute

Jean Arnolds

Während des Nazi-Regimes wurde unzähligen Priestern der Prozess gemacht. Experten sprechen von etwa 4000 katholische Priester, die Hitler umbringen ließ. Sie wurden entweder an Ort und Stelle erschossen oder nach Deportierung in Konzentrationslagern durch Hunger, Misshandlung o. medizinischen Experimenten zu Tode gebracht.
Tatsächlich gab es zu Hitlers Zeit mit dem Christentum keine Koexistenz. In den Augen der Nazis waren die "schwarzen Maulwürfe", wie sie sie nannten, Verbrecher und Staatsfeinde. Allein in Dachau wurden zwischen 1942 und 1945 1000 Priester ermordert.

JEAN ARNOLDS: Jean Mathieu Joseph ARNOLDS wurde am 7. März 1904 in Baelen geboren (von Montzen/ Plombières etwa 12 Kilometer). Sein Vater, Jean Hubert, geboren in Welkenraedt am 25. Juli 1877, arbeitete bei der Belgischen Eisenbahngesellschaft SNCB. Seine Mutter wurde ebenfalls in Baelen am 19. April 1876 als Anne Cathérine BROSSEL (Brossele Trintje) geboren, bei den Leuten bekannt für ihre Frommigkeit und Gewissen- haftigkeit.

Jean Arnolds lebte mit seinen Eltern in einem kleinen Dorf, Nereth-Baelen, in einem bescheidenen Haus, zu dem ein kleiner Kuhstall gehörte.
Im Jahre 1933 wurde Arnolds Kaplan an der Sankt Nikolaus-Pfarrkirche in Eupen. Hier blieb er bis zum 10. Mai 1940, also dem Tag, an dem das Unheil der West- offensive seinen Lauf nahm.
Im Juli 1933 wurde der Kaplan nach MONTZEN berufen, wo er unter der Bevölkerung, die schwer unter der Annektierung der altbelgischen Gebiete zu leiden hatte, seelsorglich tätig war.

Da das Schreckensregime der Nazizeit keine Märtyrer schaffen wollte, wurde auch der fromme Priester durch das Nazi-Regime zum Verbrecher gestempelt. Es war die GESTAPO, die ihn in Haft setzte.
Nachdem Arnolds einige Monate im Aachener Gefängnis am Adalbertsteinweg verbrachte, kam er anschließend in das berühmtberüchtigte Zuchthaus von Brandenburg, der letzten Station seines Märtyrerlebens.

Für die Bevölkerung ist Arnolds ein Märtyrer ge- wesen, dessen sie sich heute dankbar erinnert.

Jean Arnolds

Jean Arnolds und Montzen

Anlässlich einer Gedenkfeier zu Ehren des Kaplans sowie dessen Vater zelebrierte der Herr Dechant Schoon- broodt mitsamt dem hiesigen Dekanat am 24. Juli 1945 in Montzen die feierliche Messe. Alle öffentlichen Behörden, die Kirchenfabrik und die Schulen wohnten dieser Feierlichkeit bei.

Foto links: In diesem Haus in Montzen (gegenüber des Postamtes) lebte Kaplan Jean Arnolds. Die Ge- denktafel (links unten) wurde im Jahre 1983 einge- weiht. Foto rechts: Das Haus heute.

Foto rechts: Das persönliche "Armband" des Kaplans, versehen mit den Reißzähnen der Reue.

In Eupen wohnte Arnolds in diesem Haus. Es befindet sich im Ortskern, direkt hinter der Sankt Nikolaus- Pfarrkirche in der kleinen Gasse auf der rechten Seite (direkt hinter dem Pfarrhaus). Ihm zuliebe wurde eine Gedenkplakette angefertigt, die an dem Haus angebracht ist.

Jean Arnolds auf dem Montzener Friedhof

Von der Place communale de Montzen aus setzte ich meinen Weg fort in Richtung Friedhof, der nur einige hundert Meter weiter liegt. Als ich dort eintraf und die Allee raufging, entdeckte ich gleich das Denkmal in Erinnerung an Jean ARNOLDS, errichtet durch die Gemeinde Montzen.
Foto links unten: Im November 1941, anlässlich der Gründung der Abtei "Bebronne", hielt Arnolds die Predigt. Durch seine überzeugende Stimme und seine sozialen Ansichten konnte Arnolds das Interesse der Belegschaft fast eine komplette Stunde halten.

Ich werde noch ausführlich über Jean ARNOLDS und des- sen Schicksal berichten. Viele Bilder und Fotoaufnahmen aus den Beständen meines Opas und eines Montzener "Volontaires" sollen dabei veröffentlicht werden.

Fortsetzung der Battletour folgt in Teil 2 des Berichts!

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