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MALMEDY

Nach der Heimkehr der Stadt Malmedy ins groß-deutsche Vaterland grüßen wir alle Eifelfreunde im Sinne der Wiederver- einigung und hoffen, später die Mit- glieder des Eifelvereins in unserer schönen Stadt wiederzusehen.

Dies waren die Worte, die die Stadtverwaltung Mal- medy anlässlich des Einmarschs der deutschen Truppen in Belgien am 10. Mai 1940 verkün- dete.

Es ist schön an diesem 10. Mai 1940. Hitler befiehlt in den frühen Morgenstunden des 10. Mai 1940 Bel- gien anzugreifen. Diese Entscheidung fiel lange vor- her, als Hitler am 9. Oktober 1939 die Richtlinie Nr. 6 (Fall Gelb) unterzeichnete.
Der Einmarsch der deutschen Truppen wird beson- ders bejubelt, zumindest von bestimmten Teilen der Zivilbevölkerung.

Noch bevor Belgien am 28. Mai 1940 kapitulierte, wurden die Gebiete von Eupen, Malmedy und Moresnet durch Führererlass vom 18. Mai 1940 mit dem Deutschen Reich wiedervereint.
Sollten ebenfalls vom Deutschen Reich einverleibt werden, nicht nur die durch den Vertrag von Versailles bestimmten Kantone, sondern auch Kelmis sowie neun 'altbelgische' Gemeinden, zum Teil deutschsprachig.
Für die "annektierten Gebiete" endete der Vernichtungskrieg in einer Tragödie, auch für die Stadt Malmedy...

Die deutschen Verbände jubeln

Der "Eifelverein", kulturelle und historische Organi- sation der deutschen Eifel, freut sich auf die Heim- kehr der Ostkantone ins Deutsche Reich.

Zahlreiche Zeitungsartikel werden im Juni 1940 in diesem Zusammenhang herausgegeben.

Ein "Komitee" der Stadt Malmedy, dessen Name nicht bekannt ist, gibt diesbezüglich sogar einen Pressear- tikel heraus, der die "deutschen Freunde" auf das Herzlichste willkommen heißt.

Eupen tut sein Übriges

Auch in Eupen werden die deutschen Truppen herzlich empfangen. 1940 werden große Befreiungskundge- bungen organisiert, so u. a. am 22. Mai 1940, als im Eupener Stadion die große Kundgebung im Beisein des Prof. Dr. J. Grohé, Funktionär in der NSDAP und Gauleiter, stattfand.
Auf dem Foto am Rednertisch abgebildet, für die NSDAP, Stephan Gierets, der die Position eines Kreisleiters in Eupen erreichte.

Praktischer Ratgeber für Verlobte

In den annektierten Gebieten und folglich auch in Malmedy lässt man keine Gelegenheit aus, um die angehenden Brautpaare bestmöglichst auf die ihnen bevorstehende Trauung vorzubereiten.

Tatsächlich sah es Nazi-Deutschland als seine Pflicht an, den Brautpaaren "gutgemeinte Ratschläge" mit auf den Weg zu geben, sodass jedem Brautpaar ein "Praktischer Ratgeber für Verlobte" mit "Leitsätzen für die Gattenwahl unterm Hakenkreuz" ausgehän- digt wurde, an dem man sich selbstverständlich zu halten hatte. Rechts die zehn Leitsätze.

1. Gedenke, daß Du ein Deutscher bist!
2. Du sollst
Geist und Seele rein erhalten!
3. Halte Deinen Körper rein!
4. Du sollst wenn Du erbgesund bist nicht ehe- los bleiben!
5. Heirate nur aus Liebe!
6. Wähle als Deutscher nur einen Gatten glei- chen oder Nordischen Blutes.
7. Bei der Wahl Deines Gatten frage nach seinen Vorfahren!
8. Gesundheit ist Voraussetzung auch für äußere Schönheit!
9. Suche Dir
für die Ehe nicht einen Gespielen, sondern einen Gefährten!
10. Du sollst Dir möglichst viele Kinder wün- schen!

Nationalsozialistische Volkswohlfahrt

Die 'Nationalsozialistische Volkswohlfahrt', kurz NSV, war eine nationalsozialistische Wohltätigkeitsorgani- sation, gegründet im Jahre 1933 unter der Leitung von 'E. Higenfeldt'. 1934 werden quasi alle karita- tiven Einrichtungen von Malmedy und den übrigen Gebieten durch die NSV bestimmt und in 1939 ist die NSV die zweitgrößte nationalsozialistische Wohltätig- keitsorganisation.

"Volksschule Weismes, Kreis Malmedy"

Im Unterrichtswesen wird die deutsche Sprache Pflichtsprache. In der Gemeindeschule von Wai- mes, Pardon, 'Volksschule Weis- mes, Kreis Malmedy', verteilen die Lehrer und Lehrerinnen ein verlockendes Handbuch, gran- dios illustriert. Die Schüler und Schülerinnen können es kaum erwarten, das Handbuch 'zu be- dienen', voll mit Bildern zugunsten des 'Troisième Reich' (Hitlergruß, Hakenkreuz, Abbildungen des Führers, organisierte Truppenaufmärsche, und und und). Die Primarschule kann kommen.

In Malmedy trifft man sich auf der PLACE ALBERT Ier oder PLACE DE ROME. Die Stadt war eine zeitlang Zankapfel zwischen Frankreich, den Niederlanden und dem Deutschen Reich. 1690 zerstörten die Franzosen die Stadt beinahe völlig, 1795 wurde sie dann Frankreich einverleibt. 1815 wurde Malmedy preußisch und kam erst 1925 an Belgien. 1940 dann wurde Malmedy von den Deutschen besetzt. Die PLACE ALBERT Ier wird in ADOLF-HITLER-PLATZ umbenannt.

Die PLACE ALBERT Ier in Malmedy - Zu Hitlers Zeiten ADOLF-HITLER-PLATZ

Hitlers Abzeichen

Mit seinen Abzeichen forderte der Führer seine Erziehungsmethoden. Es war nicht einfach, sich bei der Vielzahl von Abzeichen der NSDAP zurechtzufinden. Glücklicherweise gab es den "Sprach-Brockhaus", der all diese Abzeichen erfasst hat.
Die jungen Leute hatten die Wahl zwischen mehreren Jugendorganisationen. Die wohl bekannteste und populärste war die HITLERJUGEND (HJ).
Der
'Pimpf' war das jüngste Mitglied. Er konnte der Organisation im Alter von nur 10 Jahren beitreten.
Das 'Deutsche Jungvolk' (DJ) gruppierte die Jungen zwischen 10 und 14 Jahren.
Die letzte Gruppe, die "wahre" Hitlerjugend, fasste die jungen Leute ab 14 Jahre zusammen und war auf eine vormilitärische Erziehung ausgerichtet. Sie umfasste u.a. Kleinkaliberschießen, Marschübungen oder Kartenkunde, Meldewesen und Tarnung.
Das HJ-Leistungsabzeichen wurde in drei Stufen verliehen:
in Eisen (15 Jahre), in Bronze (16 Jahre) und in Silber (17 Jahre und älter). Dafür wurden keine hohen Einzelleistungen gefordert, „die Bedingungen konnten von jedem Hitlerjungen erfüllt werden.“
In seiner Rede vom 14. September 1935 forderte Hitler vor 54.000 HJ-Jungen, sie sollten „flink wie die Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl“ werden. "Es wird nichts im Völkerleben geschenkt. Alles muss erkämpft und erobert werden. Ihr müßt lernen, hart zu sein, Entbehrungen auf euch zu nehmen, ohne jemals zusammenzubrechen."
Die Mädchen gehörten dem 'Bund Deutscher Mädel' an. Sie waren zwischen 14 und 18 Jahren.

Manifeste unterm Hakenkreuz

Damit beschäftigte und vertrieb sich die Jugend in unseren Kantonen in den Kriegsjahren 1940-1944 die Zeit, in Eupen, in Sankt Vith, in Büllingen und in allen anderen Gemeinden Ostbelgiens, auch in Malmedy. Dadurch wurde zugleich ein Druckmittel auf diejenigen ausgeübt, die im alltäglichen Leben nicht in Hitzlers Sozialbild reinpassten. Einige von ihnen sollten dabei ihr Leben verlieren.
Bild rechts: die Mitgliederinnen des 'BDM' bejubeln den Einmarsch der deutschen Truppen in Eupen am 10. Mai 1940.
In den Kriegsjahren 1940-1944 wurde die Stadt Malmedy aber auch von vielen tragischen Ereignissen erschüttert, so u. a. vom MASSAKER VON BAUGNEZ, von dem ich mehrmals schon berichtet habe, oder aber von den Bombardierungen im Dezember 1944...

'Bund Deutscher Mädel' vor dem Eupener Rathaus 1940

Malmedy im Kriegsjahr 1944

Für die Stadt MALMEDY sollte das Kriegsjahr 1944 und insbesondere Weihnachten 1944 die Hölle auf Erden werden. Am 23., 24. und 25. Dezember 1944 griffen US-Bomber IRRTÜMLICH die schon von eigenen Truppen befreite Stadt an und zerstörten große Teile.

Für 'Georges Pagotto' ist am 14. Dezember 1944 die Welt noch in Ordnung, jetzt wo große Teile Malmedys schon von eigenen Truppen befreit wurden. Mit seiner Pauline tanzt er daher und freut sich des Lebens. Exakt 10 Tage später gleicht MALMEDY einem Trümmerfeld...

16. Dezember:

Malmedy wird bombardiert. Die Bomben schlagen in der "Chemin-Rue", "Outrelepont" u. "Place du Commerce" ein.

17. Dezember:

Die Deutschen starten ihre Großoffensive. Sie erreichen die umliegenden Dörfer: 'Baugnez' und 'Hèdomont'.

19. Dezember:

Der englische Radiosender verkündet Malmedys Besetzung. Leute, die von dort kommen, bestreiten dies.

21. Dezember:

Angeblicher Rückzug der Deutschen aus Malmedy, Stavelot und Sankt Vith.

22. Dezember:

Die Lage in und um Malmedy scheint sich erheblich beruhigt zu haben.

23. Dezember:

Malmedy steht unter Artilleriebeschuss. Nachmittags wüten die Bombardierungen weiter. Weder Strom noch Wasser.

24. Dezember:

Alliierte US-Luftstreitkräfte bombardieren die Stadt ein zweites Mal. Malmedy steht in Flammen.

25. Dezember:

Malmedy steht ein drittes Mal unter Artilleriebeschuss. Die Stadt liegt in Schutt und Asche.

So endete das Jahr 1944 für viele "Malmedyaner". Die Bombardierungen der alliierten US-Luftstreitkräfte sind darauf zurückzuführen, dass eigentlich die Stadt 'Zülpich' (bei Euskirchen) hätte bombardiert werden sollen, die Amerikaner allerdings drei Mal hintereinander ihr Ziel verfehlten, zum Leidtragen der 'Malmedyaner'.
Für Malmedy ist die Bilanz insgesamt niederschmetternd. 202 Zivilopfer kamen bei den Kämpfen 1944-1945 ums Leben, wovon 129 'Malmedyaner' und 73 andere (hauptsächlich Flüchtlinge aus dem deutschsprachigen Gebiet, die in den ersten Tagen der letzten Großoffensive ihre Häuser fluchtartig verlassen mussten).

Gleich vier Kriegerdenkmäler auf engstem Raum zum Gedenken an die vielen Opfer der Stadt während der Kämpfe 1940-1945

Nordwestlich des Platzes PLACE ALBERT Ier sieht man die Doppeltürme der den Heiligen Petrus, Pau- lus und Quiri geweihten, barocken KATHEDRALE aus dem Jahre 1775. Sie wurde bis 1784 als Abteikirche gebaut und 1920 zur Kathedrale erho- ben.

Links und rechts der Kathedrale errichtete die Stadt Malmedy gleich vier Denkmäler zum Gedenken an die Opfer der Bombardierungen 1944 und des KZ DACHAU sowie Märtyrer der Stadt 1940-1945.

In memoriam

Das Denkmal zu Ehren der Zivilopfer, die während der Ardennenoffensive im Dezember 1944 bei den US-Bombardierungen der Stadt umgekommen sind (rechts der Kathedrale), listet auf fünf Säulen die Namen der 219 Opfer auf.

Auszug aus der Rede des Bürgermeisters Herrn Robert DENIS anlässlich der Einweihung des Kriegerdenkmals im Dezember 1984

000Das Denkmal, das wir heute einweihen, wird die Namen dieser Zivilopfer ins Gedächtnis rufen und wahren.
000Für die kommenden Generationen soll dieses Denkmal als Mahnung gelten: bringt nur Elend und Trauer mit sich und mehr als andere dürfen wir dies bezeugen.
000Als Grenzbevölkerung mussten wir nicht nur solche menschliche Dramen erleben, die bei allen Konflikten entstehen, sondern mussten wir vielmehr unserer geographischen Lage und unserer historischen Vergangenheit wegen manchmal noch viel schlimmeres in unseren Herzen empfinden.
000Unsere innigste Hoffnung ist es, fürderhin in Frieden zu leben und nie mehr ein solches Denk- mal errichten zu müssen.

Viele Pfarrer scheuten nicht davor zurück, während der Zeit der Annexion durch Nazi-Deutschland einen passiven Widerstand zu organisieren, um die Moral der Bevölkerung hoch zu halten.

Befreiung der Stadt Malmedy durch die 1. US-Infanterie-Division am 11. September 1944

Aschefeld mit sterblichen Überresten der Opfer des KZ Dachau mit dem Malmundarium und dem ehrenwerten Kriegerdenkmal zum Gedenken an die 1. US-Infanterie-Division im Hintergrund

Denkmal für Pfarrer Peters

Am 30. Juni 2002 wurde auf der PLACE DU PARC dieses Denkmal durch die Stadt Malmedy eingeweiht. Es wurde in Erinnerung an den Pfarrer Joseph PETERS errichtet.

Das Denkmal steht ganz in der Nähe der Straße, die ebenfalls seinen Namen trägt (Rue Abbé Peters) und in der er während seines Apostolats in Malmedy auch wohnte.

Auch Pfarrer Peters organisierte in Malmedy während der Besatzung der deutschen Wehrmacht den passi- ven Widerstand der Bevölkerung gegen das Hitler-Regime. Er wurde schnell zum Vorbild für die Ju- gend, indem er sich entschieden gegen die Propa- ganda der Hitler-Jugend stemmte.
Einigen jüngeren "Malmedyern" half er sogar dabei, einer Verhaftung durch Nazi-Deutschland zu ent- kommen, indem er sie zum Desertieren ermunterte. Dies führte dazu, dass er selbst am 1. Oktober 1942 in Aachen ins Gefängnis gesperrt wurde.

Am Abend des 1. Juli 1943 starb der Pfarrer als Märtyrer des Widerstands durch Hinrich- tung auf der Guillotine.

Für die Stadt Malmedy war das Kriegsjahr 1944 die Hölle auf Erden.

Während
fünf düsteren Jahren kamen viele "Malme- dyaner" in Konzentrationslagern ums Leben, weil sie ihre Verbundenheit mit Belgien demonstriert haben.
Heute lässt sich nur noch mittels Dokumenten, Tex- ten und Fotos erahnen, was sich damals zugetragen haben muss.

Meinen allergrößten Respekt an die Stadt Malmedy, die es geschafft hat, in wenigen Jahrzehnten das wie- deraufzubauen, was der Zweite Weltkrieg mit seiner zerstörerischen Kraft zunichte gemacht hat!

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