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EUPEN > Erste Stolpersteine

Erste Stolpersteine in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens verlegt

Seit Oktober 2013 erinnern in meiner Heimatstadt EUPEN (B) fünf „Stolpersteine an ehemalige Bewohner der Stadt, die vom Nazi-Regime verfolgt, mitunter deportiert und schließlich ermordet wurden.
Erinnert wird an den Eupener Polizeikommissar Friedrich HENNES, der durch seinen Beruf in den Sog der da- maligen politischen Auseinandersetzungen geriet, "in Schutzhaft genommen" wurde und im KZ Sachsenhausen an den Haftfolgen verstarb, und an die vierköpfige jüdische (Flüchtlings)familie SCHALIT. Israel SCHALIT wurde am 12. August 1942 von der Gestapo festgenommen und später nach Auschwitz ins KZ deportiert, von wo er nie zu- rückkehrte. Die genauen Umstände seines Todes konnten nicht geklärt werden.

Friedrich HENNES

Seine tragische Geschichte begann in der Nacht zum 10. Mai 1940, dem Tag, an dem die deutschen Truppen in Belgien eindrangen. Durch seinen Beruf war Friedrich HENNES politisch belastet.
Als sich die Nazis an jenem 10. Mai 1940 im Eupener Rathaus etablierten, wurde der Eupener Polizeikommissar seines Amtes enthoben und "in Schutzhaft genommen". Obschon HENNES am 18. Mai 1940 entlassen wurde, wurde er am 14. Juni 1940 erneut verhaftet, diesmal durch die Gestapo, und von Aachen ins Gefängnis von Prüm gebracht.

Das schreckliche Erlebnis im Gefängnis von Prüm

In den 21 Tagen seiner Inhaftierung im Gefängnis von Prüm hatte Friedrich HENNES ein schreckliches Erlebnis, das ihm noch viele Nächte den Schlaf rauben sollte. Aus seiner Zelle hatte er gesehen, wie zwei Gestapoleute im Gefängnishof einen Gefangenen vor sich herstießen. Er sah, wie einer der beiden plötzlich eine Pistole zückte und den Gefangenen erschoss. Augen- blicke später stand ein Wärter in HENNES Gefängniszelle und forderte ihn auf mitzukommen. Man hätte glauben können, dass dem Polizeikommissar das gleiche Schicksal widerfahren würde. In Wirklichkeit aber wurde er ins Gefäng- nisbüro gebracht, wo ihm mitgeteilt wurde, dass er ein freier Mensch sei.

Nach Sachsenhausen deportiert

Nach seiner Entlassung aus dem Prümer Gefängnis wurde Friedrich HENNES am 4. November 1940 zum dritten Mal verhaftet und nach Aachen ins Ge- fängnis gebracht. Hennes muss gespürt haben, dass es diesmal kein Ent- rinnen geben würde und seine Situation Ernst zu nehmen sei. Als er mit einer Gruppe von Häftlingen zum Aachener Hauptbahnhof gebracht wurde, war ihm klar, dass er nach Sachsenhausen kommen würde.
Friedrich HENNES stirbt am 9. April 1941 im Konzentrationslager Oranienburg-Sachsenhausen an den Haftfolgen, nur wenige Tage vor der Hochzeit seiner Tochter Erna. Die Todesursache sei eine Blutvergiftung, doch sind die näheren Umstände seines Todes nie bekannt geworden.

Erster politischer Gefangener Belgiens

Der ehemalige Eupener Polizeikommissar Friedrich -Fritz- HENNES gilt offiziell als der erste politische Kriegsgefangene der nationalsozialistischen Terrorherrschaft in Belgien.

Straße nach F. Hennes benannt

In Erinnerung an Friedrich HENNES wurde in seiner Heimatstadt EUPEN eine Straße nach ihm benannt (Friedrich-Hennes-Straße), deren offizielle Einweihung am 5. Juni 2002 stattfand. Vertreter der STADT EUPEN, die Nachkommen von Friedrich HENNES und Kriegsveteranen wohnten der Zeremonie bei. Auf dem Foto rechts zu erkennen ist Edgar WINTGENS, Sohn von Fritz Hennes Tochter Erna.

Das Schicksal der jüdischen Familie SCHALIT

Die vierköpfige jüdische Familie SCHALIT lebte ab dem Sommer 1939 im Haus Gospertstraße 54“ in Eupen. Dies ist der letzte nachweislich freiwillige Wohnsitz der Familie.
Vater Israel wurde nach Auschwitz deportiert. Was ihm dort widerfahren ist, lässt sich heute nicht mehr klären. Tochter Rosa SCHALIT-MENDELZWAIG (heute in Israel lebend), ihre Mutter Ester und ihr Bruder Joseph Mar- kus überlebten, dank der Hilfe belgischer Bürger, durch verschiedene Verstecke in LÜTTICH (B) und VERVIERS (B).

Israel SCHALIT

Die genauen Umstände seines Todes konnten nie geklärt werden. Fakt ist, dass der am 20. Mai 1900 in Opoc- zno/Ukraine geborene Israel SCHALIT am 12. Au- gust 1942 von der Gestapo festgenommen und nach Lüttich zur Zitadelle gebracht wurde. Diese war nicht nur ein großes Gefängnis für politische Gefangene, sondern diente den deutschen Besatzern auch als Durchgangs- lager für Juden.

Am 11. September 1942 wurde Israel nach Mechelen zur Dosin-Kaserne gebracht, von wo aus er Augenblicke später nach Auschwitz deportiert wurde. Von den 729 im Zug befindlichen Menschen wurden 579 unverzüglich nach der Ankunft ermordet. Ob sich auch Israel SCHA- LIT unter diesen Menschen befand oder er vielleicht in ein Außenlager gekommen ist und er nach der Befreiung verstarb, ist bis heute nicht bekannt.

Rosa SCHALIT-MENDELZWAIG, Mutter Ester und Bruder Joseph Markus

Dank der Hilfe zahlreicher belgischer Staatsbürger haben Rosa SCHALIT-MENDELZWAIG, ihre Mutter Ester und ihr Bruder Joseph Markus den Holocaust überlebt.
Im Sommer 1939 eröffnete die Familie SCHALIT in Eupen ein Geschäft, nachdem sie bereits ein Mal in Eupen gelebt hatte und nach Antwerpen gezogen war, wo sich Vater Israel für eine Karriere in der Filmbranche entschied. Der ge- wünschte Erfolg blieb jedoch aus.
Als Vater Israel im August 1942 von der Gestapo entführt wurde, überschlugen sich die Ereignisse und die Familie um Mutter Ester musste untertauchen. Angst vor dem Entdecktwerden wird ihr ständiger Wegbegleiter, doch dank des tatkräftigen Einsatzes belgischer Bürger überleben die drei Familienmitglieder den Holocaust. Die Befreiung durch die Amerikaner im September 1944 erlebt Rosa mit Mutter Ester und Bruder Joseph Markus in Verviers.
Rosa SCHALIT-MENDELZWAIG reiste mit ihrem Ehemann und ihren Kindern aus Israel an, um der Gedenkfeier vom 20. Oktober 2013 mit ihrer Familie beizuwohnen.

Zum ersten Mal wurden in EUPEN am 20. Oktober 2013 so genannteStolpersteineverlegt, die an den Eupener Polizeikommissar Friedrich HENNES und an die jüdische (Flüchtlings)familie SCHALIT erinnern sollen.
Der erste Akt der Verlegung fand vor dem Haus Simarstraße 124“ statt, wo der Polizeikommissar 1940 lebte. Der zweite Akt der Velegung wurde vor dem Haus Gospertstraße 54 getätigt. Hier lebte die jüdische Famillie SCHALIT ab dem Sommer 1939.

Zum ersten Beitrag
Stolperstein-Verlegung am HausSimarstraße 124“ (Friedrich HENNES) geht es
HIER

Zum zweiten Beitrag
Stolperstein-Verlegung am HausGospertstraße 54“ (Familie SCHALIT) geht es
HIER

Zum dritten Beitrag
Stolperstein-Verlegung im
Haus „Gospert 42“ (Feierlicher Umtrunk) geht es
HIER

Textquelle: GRENZ-ECHO / GRENZGESCHICHTE.EU0000000000Bild-/Fotoquelle: GRENZ-ECHO / bunkertours.be

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