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Hintergrund

FORT TANCREMONT

Südlich von Lüttich zwischen Pepinster (B) und Sprimont (B) be- findet sich das Fort Tancrémont, welches als das letzte der vier neu gebauten Festungsanlagen eröffnet wurde.
Tatsächlich sollte das Fort Tancrémont, welches bis heute als eines der wenigen Meisterwerke der "Befestigten Stellung Lüttich" gilt, die feindlichen Truppen im Angriffsfalle so lange aufhalten, bis die Armee entlang der Maas und des Albertkanals eine Front- linie aufgebaut hatte. Allerdings erwies sich sehr schnell, dass die Anlage der deutschen Luftwaffe völlig machtlos ausgeliefert war, sodass der leitende Offizier, Kommandant Hauptmann DEVOS, am 29. Mai 1940 die Kampfhandlungen einstellen musste.
Wenn ich in der Gegend bin, statte ich der Festungsanlage immer wieder gerne einen Besuch ab. Das Besondere am Fort Tancré- mont ist nämlich, dass es noch seine gesamte Bewaffnung und elektromechanischen Installationen besitzt. Außerdem ist das ge- samte Areal an den Tagen, an denen das Fort besichtigt wer- den kann (von Mai bis Oktober nachmittags an jedem 1. Sonntag im Monat), FREI ZUGÄNGLICH. Die wenigen Leute, die das Fort für ein paar Kröten unterhalten, tun dies auf freiwilliger Basis. Be- merkenswert ist allerdings, dass die Leute dort diesen "Job" aus Herzensüberzeugung tun!

Fort Tancrémont: Das Fort, das sich nicht ergeben wollte...

Die ersten Pläne zur Errichtung des Forts Tancrémont stammen aus dem Jahr 1933, als der Generalmajor "Carbonnelle" am 11. Oktober 1933 das Projekt der Regierung vorstellte. Das Bau- werk war so konzipiert, dass es 420-mm-Abwehrkanonen (siehe DICKE BERTA) standhalten sollte. Es umfasste eine Verteidigungs- kuppel mit zwei 120-mm-Geschützen, eine Verteidigungskuppel mit zwei 75-mm-Geschützen, ein Mörserblock, zwei Kasematten mit drei 75-mm-Geschützen (Batterie Nord und Batterie Süd), ein Zentralbunker, ein Abwehrbunker mit zwei panzerabwehrenden Geschützen, ein zusätzlicher "Geschützturm" sowie eine unterir- dische Kaserne. Der Grundriss glich einem unregelmäßigen Vier- eck.
Das Projekt kostete
35 Millionen Belgische Franken (knapp 870.000 €). Die Anlage sollte außerdem mit einem zusätzlichen 75-mm-Kasemattengeschütz ausgestattet werden. Dieser wich- tige MG-Stand sollte außerhalb der Anlage platziert werden, von wo aus man jedoch mittels Hohlgangsystem Zugang zur Haupt- befestigungsanlage haben sollte. Die Kosten für den Bau dieser zusätzlichen Kasematte beliefen sich damals auf 1.890.000 BEF (knapp 47.000 €).

Vorprojekt Nr. 1

Es bestand allerdings ein zweites "Vorprojekt", das auf den 21. November 1933 datiert war...

Entgegen den ursprünglichen Plänen sah das Hauptabwehrsystem jetzt zwei Verteidigungskuppeln mit „nur noch“ zwei 75-mm-Ge- schützen vor, je ausgestattet mit einer Kasematte für MG-Stände, ebenso wie zwei MG-Glocken.

Zur Verteidigung des Grabens wurden zwei Abwehrbunker vorge- sehen, die an den Flanken des Forts eingesetzt werden sollten. Sie beinhalteten panzerabwehrende 47-mm-Geschütze, MGs und Flutlichter.

Der Zentralbunker („Block B/Haupteingang“) diente selber der Ab- wehr und sollte ebenfalls über eine MG-Kasematte und zwei MG-Glocken verfügen. Ergänzt wurde diese Festungsanlage durch unterirdische Kasernen sowie ein Luftansaugwerk.

Die Kosten für dieses Projekt beliefen sich damals auf 17 Millio- nen Belgische Franken (rund 420.000 €).

Vorprojekt Nr. 2

8. August 1937 - Tag X

Am 24. April 1934, also nur sechs Monate später, wurde dem seinerzeit amtierenden Leutnant "Gérard" die konkrete Planung dieses militärischen Abwehrsystems anvertraut. Am 2. Januar 1935 wurde das endgültige Projekt für gut befunden, sodass die Ausschach- tungsarbeiten und die Stollensysteme bereits am 1. Mai 1935 ausgeschrieben werden konnten. Die Arbeiten zur Errichtung des Forts Tancrémont wurden sehr schnell in Angriff genommen; die Arbeiten schritten so gut voran, dass das Meisterwerk bereits am 8. Au- gust 1937 offiziell eingeweiht werden konnte. Zu bemerken ist allerdings, dass die Arbeiten zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz fertiggestellt waren...

Das Fort Tancrémont hatte den Auftrag, die Täler der beiden Vennflüsse „Weser“ und „Hoëgne“ Richtung Osten zu überwachen.

Konkret sollte diese strategisch-wichtige Befestigung feind- liche Truppen im Angriffsfall so lange aufhalten, bis die Ar- mee entlang der Maas und des Albertkanals eine Front- linie aufgebaut hatte. Schnell stellte sich heraus, dass die Besatzung des Forts Tancrémont der deutschenber- macht" nicht lange standhalten konnte. Nachdem alle be- festigten Stellungen um Lüttich bereits von der deutschen Artillerie eingenommen worden waren, musste letztendlich auch das Fort Tancrémont am 29. Mai 1940 die weiße Flagge hissen lassen, allerdings erst einen Tag nach der Kapitulation der belgischen Streitkräfte um König Leopold III. Doch dazu mehr später...

Die Anlage erstreckt sich bis heute auf etwas mehr als 3 Hektar. Sie diente hauptsächlich der Verteidigung der be- rühmt berüchtigten DICKEN BERTA, deutsche 420-mm-Abwehrkanone.

Die Verteidigung der Weser-Hoëgne

Das Fort kann heute wie folgt beschrieben werden. Es be- inhaltet:

1 Zentralbunker: Maschinengewehrstand und Bunker, in dem sich ein weiteres MG, ein LMG (Leichtmaschinenge- wehr), ein Scheinwerfer und ein Periskop befinden
2 große Verteidigungskuppeln, beide jeweils ausgestattet mit zwei 75-mm-Geschützen, Modell 1934
1 Mörserblock mit drei 81-mm-Mörsern (Reichweite: 3,6 Kilometer)
3 MG-Stände, die mit jeweils einem Periskop oder Schiess- öffnungen für Leuchtraketen ausgestattet sind
3 Kasematten, ausgestattet mit zusätzlichen panzerab- wehrenden 47-mm-Geschützen, MGs und Flutlichtern
8 MG-Glocken zur Verteidigung des Vorgeländes ("Glacis")
2 Luftansaugwerke außerhalb der Anlage mit jeweils einer Stellung für ein LMG.

Die Installationen sind heute noch alle zugänglich, teilweise immer noch voll einsetzbar.

Einige Zahlen

Die mittlere Bunkeranlage ist von einem 8 Meter breiten und 6 Meter tiefen, viereckigen Abwehrgraben umgeben. Jenseits da- von liegt das Vorgelände („Glacis“), das die Verteidigung der Außenlinie besonders verstärkte. Etwa 100 Meter von der eigentlichen Festung entfernt befanden sich zwei kleine, aus Beton erbaute Bunker, die die Lüftungsschächte und Kamine sowie den Ausgang des Forts beschirmten.

Auf einer Tiefe von bis zu 30 Metern befanden sich der Kommandoposten, der Maschinenraum, die Munitionslager, die Telefonzentrale, das Funkgerät und die unterirdische Kaserne. Für die innere Verteidigung gab es kleine Posten mit Maschinenpistolen. Das Stollen- system verband die verschiedenen Räume auf einer Gesamtlänge von ungefähr 2 Kilometern. Schächte mit Leitern gestatteten den Zugang zu den oberirdischen Gebäuden.

4 Dieselmotoren mit jeweils 130 PS dienten der Versorgung der Maschinen, Beleuchtung und Heizung. Um die Lüftung und den für das Evakuieren der Kampfgase unerlässlichen „Überdruck“ gewährleisten zu können, benötigte das Fort eine Kapazität von 32.000 Kubikmeter Luft.

Im Fort befanden sich zur Kriegszeit rund 400 Männer, die ihrem Dienst tatkräftig Folge leisteten. Darunter befanden sich rund 60 Offi- ziere und Unter-Offiziere. In den außenliegenden Beobachtungsposten waren es 12 Unter-Offiziere und 78 Gefreite und Soldaten.

Fortsetzung in der Rubrik FORT TANCREMONT - FOTOGRAFISCHER NACHWEIS !

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