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Der MN29

BELGISCHE UNTERSTÄNDE

Das Fort BATTICE besaß an hervorragend platzierten Stellen vier Beobachtungsbunker, über die das Feuer des Forts mittels Tele- fon geleitet werden konnte. Unter den vier Beobachtungsbunkern der MM305 und der "MN29".

Der MN29 war der wohl am besten platzierte Bunker, da er auf einer beherrschenden Höhe mit guter Sicht stand.

Am 16. Mai 1940, auf den Tag genau, wurde der Beobachtungs- bunker MN29 von deutschen Pionieren angegriffen. Während die Eingangstür mit einer geballten Ladung angegriffen wurde, setzte man auf die BEOBACHTUNGSGLOCKE eine 50 Kilogramm schwere Hohlladung. Bei der Explosion wurden zwei Soldaten sofort getö- tet, zwei andere verließen den Bunker mit äußerst schweren Ver- letzungen. Kamerad MERTENS kam früher ums Leben...

Lange ist es her, als ich in einer belgischen Zeitschrift auf einen Zeitungsartikel stieß, der sich auf ganze drei DIN-A3 Seiten eingehend mit dem "MN29" beschäftigt und das Schicksal des MN29 von A bis Z besiegelt (alles basierend auf echten Zeitzeugenaussagen!). Es waren nur wenige Tage, in denen das Fort BATTICE der schweren Artillerie der Deutschen ausgesetzt war. Nach nur 12 Tagen fiel dieses in deutsche Hand. Doch in diesen wenigen Tagen spielte sich im MN29 eine Tragödie ab, und es sind vielmehr die zwei über- lebenden Soldaten, die versucht haben, diese Tragödie auf authentische Art und Weise nachzuerzählen...

Die Tragödie des "MN29" findet ihr nun hier exklusiv auf meiner Webseite. Den integralen Text könnt ihr ganz bequem im Internet runterladen. Die Sache hat nur einen Haken: er ist ausschließlich in französischer Sprache erhältlich. Weil mich aber die Geschichte des "MN29" so sehr bewegt hat, habe ich mich dazu durchgerungen, den Text ins Deutsche zu übersetzen, wenn auch in abgespeckter und vielleicht sogar leicht abgewandelter Form. Da also leichte Abweichungen vom Originaltext nicht auszuschließen sind, bitte ich mögliche Übersetzungsfehler zu entschuldigen.

10. Mai 1940: Das Unheil nimmt unaufhaltsam seinen Lauf

WIR SCHREIBEN DAS JAHR 1940, genauer gesagt den 10. Mai 1940, draußen herrschen klare Wetterver- hältnisse. Es waren der Feldmarschall Céleste SERVAIS und der Soldat Hubert MERTENS, die in dieser Nacht Bereitschaftsdienst hatten, als um 3 Uhr morgens das Fort BATTICE Alarm schlug. Mittels Telefon alar- mierte das Fort BATTICE die beiden Männer über den Einmarsch dieser tödlichen Kriegsmaschine, die in den Morgenstunden des 10. Mai 1940 die belgische Grenze passierte. DER WESTFELDZUG BEGINNT, IN BELGIEN HERRSCHT KRIEG.

Während SERVAIS am Telefon den Anweisungen des Fort BATTICE folgt, rennt MERTENS nach draußen, um seine Kameraden zu wecken. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich diese in einem nahe gelegenen Bauernhof auf. Es treten an: René BURTON, Pierre CANON und Jean SCHENE. Schnell evakuieren die Männer alle brauch- baren Kriegsutensilien aus dem Bauernhof, ohne die ein Überleben im MN29 nicht möglich sein sollte.

Kurz danach sind die Männer von heftigen Explosionen umgeben, Straßen, Häuser und Brücken gehen in die Luft, Flüchtlinge verlassen ihre Häuser, rennen auf die Straßen, wissen nicht, was los ist. Der MN28, der dem MN29 am nächsten liegt, scheint nicht besetzt zu sein. "Was ist los?"

In den frühen Morgenstunden erblicken die Soldaten eine Gestalt am MN28. Es scheint ein Soldat zu sein, doch selbst mit Ferngläsern kann die Person nicht identifiziert werden. BURTON und MERTENS wagen den Schritt nach draußen, natürlich in voller Armierung. Sie nähern sich der unscheinbaren Person, allerdings stellt sich diese als völlig harmlos heraus. Der Mann weist die Soldaten darauf hin, dass sich der Feind in unmittelbarer Nähe befindet und er das benachbarte EUPEN bereits eingenommen hat. Nur wenige Se- kunden später schlagen Bomben und Granaten auf das Fort BATTICE ein, die deutsche Luftwaffe tut ihr übriges. Der MN28 scheint immer noch leer zu sein. "Was ist los?"

Zum ersten Mal kommt der MN29 zum Einsatz. Während CANON der Abschuss eines Stukas gelingt, können die Batterien der umliegenden Forts nur schwer der deutschen Artillerie und Luftwaffe standhalten.

Für die Besatzung des MN29 heißt es: "Observationen vornehmen und Maschinen einstellen!". Das Wetter ist herrlich. Hier und da streift der eine oder andere Luftjäger den Bunker. Doch weiß SERVAIS seine Männer daran zu hindern, auf die Halter der Stukas zu feuern: „Unser Ziel ist es nicht, die deutsche Luftwaffe außer Gefecht zu setzen, es ist DEREN Ziel, UNS ausfindig zu machen! Geduld Männer...“, gibt SERVAIS sich zu verstehen.

11. Mai 1940: Der Feind steht unmittelbar bevor

11. Mai 1940. In der Nacht vom 10. zum 11. Mai 1940 wachen CANON und SCHENE über den MN29, als BURTON und MERTENS in den frühen Morgenstunden des 11. Mai ihre Kameraden ablösen kommen. Die Lage scheint sich beruhigt zu haben. Es vergeht einige Zeit, doch dann glauben sie, einen Deutschen entdeckt zu haben. Zugleich begibt sich CANON in die Beobachtungsglocke. Kein Deutscher weit und breit, stattdessen ein Dutzend Bauersleute, die in den Feldern versuchen, ihrer Arbeit zumindest ansatzweise nachzugehen, die Familie muss schließlich ernährt werden.

Den Soldaten kam die „Unterbrechung“ insofern gelegen, als dass sie in den Bauernhöfen ein wenig zu Kräften kommen sollten. Während die Bäuerinnen die ausgehungerten Soldaten reichlich mit frisch gebackenem Brot versorgten, bahnte sich draußen auf dem Feld auch schon die nächste Tragödie an. Auslöser ist der Schrei eines ackernden Bauern, der plötzlich nur so vor sich herrennt. Nichtsahnend begeben sich die Männer nach draußen und tasten sich vorsichtig dem Bunker ran. Schon bald er- blickt einer der fünf Männer versteckt auf dem gegenüberliegenden Bauernhofgelände einen pos- tierenden deutschen Soldaten, seelenruhig beobachtet dieser das nahe gelegene Umfeld. Als die Männer versuchen, sich diesem zu nähern, treffen sie plötzlich und völlig unerwartet auf eine Herde deutscher Soldaten, die ohne zu zögern das Feuer auf die ahnungslosen Soldaten eröffnen. Es kommt zum Gefecht.

Dem Feind völlig ausgeliefert versuchen die Männer Unterschlupf im MN29 zu finden, was ihnen auch gelingt. Vom Beobachtungsturm aus erwidern die Soldaten das Feuer. Die Deutschen sind jedoch fest entschlossen, den Kampf zu gewinnen.

Das Feuer der feindlichen Artillerie ist so stark, dass die Männer des MN29 zum ersten Mal auf die Hilfe des Fort BATTICE zurück- greifen. Die Kameraden des Fort BATTICE handeln natürlich ohne zu zögern, wenig später schlagen auch schon die ersten Granaten in das Feld ein. Die Deutschen geben auf und verschwinden.

Unermüdlich richten die Soldaten jedoch weiterhin ihr Augenmerk auf das direkte Umfeld, der Feind konnte ja jeden Moment wieder zum Vorschein treten. Jedenfalls galt ab dann und für den Rest des Tages absolutes "Ausgehverbot".

Die eigentliche Tragödie

Der Rest des Tages verlief den Umständen entsprechend „normal“, als der MN29 im späten Nachmittag einen Anruf des Fort EVEGNEE bekommt. „Man möge bitte einige Schießversuche des Fort EVEGNEE beobachten und Bericht erstatten“, lautete die Anweisung.

Weil die Schießversuche von der BEOBACHTUNGSGLOCKE aus nicht sichtbar waren, musste einer der fünf Be- satzungsmitglieder den Beobachtungsposten notgedrungen verlassen und sich auf die Spitze des Berges bege- ben, von wo aus der Soldat eine weite Sicht hatte.

Soldat MERTENS opferte sich für diese Mission auf, Letztere wurde ihm letztendlich zum Verhängnis...

„Il faut savoir à quoi nous en tenir pour la nuit, Chef!“, sagte MERTENS voller Tatendrang. Zu deutsch: „Wir müssen wissen, woran wir uns nachts orientieren können, Chef!“.

Kommandant SERVAIS bejahte, allerdings war es so, dass die komplette Besatzung rausging, schließlich sollten die Kameraden MERTENS in dort befindlichen Schützengräben den nötigen Rückenwind geben.

Es war SERVAIS, der sie als erster entdeckte. „Vite, au fortin! Les Boches...“, schrie er. Zu deutsch: „Schnell zurück zum Unterstand, die Deutschen...“. „Und MERTENS?“, fragten die Besatzungsmitglieder.

Zurück im Unterstand bat SERVAIS das Fort BATTICE ein zweites Mal um Hilfe, wenig später schlugen auch schon die ersten Granaten ein. Auch dieses Mal zogen sich die Deutschen zurück und allen Anschein nach war MERTENS gerettet, doch weit gefehlt. „Da, noch ein Deutscher!“, sagte SERVAIS. Es war SERVAIS selbst, der das Feuer vom Beobachtungsturm aus erwiderte. Völlig außer sich begibt sich SERVAIS zu seiner Einheit zurück im Inneren des Bunkers, bricht zusammen und sagt:

„J'ai touché MERTENS!“ - „Ich habe MERTENS getroffen!“.

Hubert Mertens

Der MN29-Bunker ist heute eine Gedenkstätte und kann frei besichtigt werden. Leider blieb mir der Zugang zum Bunker aufgrund eines plötzlich eintretenden massiven Schneeeinbruchs verwehrt. Die wunderbare Sicht vom MN29 entschädigt den Besucher dafür doppelt!

GPS-Daten: +50° 40' 45.36", +5° 48' 33.36".

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