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10. MAI 1940

10. Mai 1940: Hätte es anders kommen können?

Vor 70 Jahren marschierten die Deutschen in mein Land ein...
Kaum ein anderes Datum hat in der Geschichte Ost- belgiens so tiefe Spuren hinterlassen wie der 10. Mai 1940. Denn am 10. Mai 1940 sollte meine Heimat in den Sog des Zweiten Weltkriegs geraten. Wenig später holte Adolf Hitler sie "heim ins Reich". Seitdem ist nichts mehr wie früher.

Am 27. April 1940 entschloss sich Hitler, den Beginn der WESTOFFENSIVE zwischen dem 1. und dem 7. Mai festzulegen. Hitler wusste um diese Zeit, dass die Rote Armee, zu dieser Zeit des Krieges einzig wahre Verbündete Deutschlands, ihm nicht in den Rücken fallen würde. Der Angriff war perfekt.
Das nasse Wetter machte Hitler allerdings einen Strich durch die Rechnung. Hitler wurde zunehmend nervös, denn jeder Tag Verzögerung musste die Westmächte stärken.
Am 17. Februar 1940 stellte Generalleutnant Manstein Hitler seinen modifizierten SICHELSCHNITTPLAN vor. Der 10. Mai 1940 wurde als endgültiger Termin des deutschen Angriffs im Westen festgelegt.

Der deutschen Wehrmacht standen 71 Divisionen zur Verfügung, 47 verblieben als Reserve in Deutschland. Diesen 71 angreifenden Divisionen standen 117 alliierte Divisionen gegenüber, worunter rund 80 Divisionen der französischen Armee entlang der franzö- sischen Grenze.
Bei den Panzern waren die Westmächte an Zahl ebenfalls weit überlegen: den 4800 in Frankreich stehenden Panzerkampfwagen standen 2200 deutsche gegenüber.

Alarmierende Meldung für Hitler: alles deutete darauf hin, dass der deutsche Angriffstermin verraten worden war. Und tatsächlich: am 9. Mai 1940 unterrichtete der Leiter der Zentralabteilung der Abwehr, "Oberst Oster", seinen niederländischen Freund in Berlin, Militärattaché "Sas", vom geplanten Angriff auf Belgien: "Das Schwein ist auf dem Weg nach Westen!" (mit dem "Schwein" war Hitler gemeint).

So kam der 10. Mai 1940 und der Krieg über meine Heimat.

Grenzüberschreitung um 4.15 Uhr

Um 4.15 Uhr Ortszeit übertreten deutsche Truppen erstmals die belgische Grenze bei Hemmers, südöstlich von Sankt Vith. Nördlich des Venns bei Petergensfeld überschritten die ersten Truppen die Grenze rund eine Stunde später, d.h. kurz nach 5. Der deutsche Einmarsch erfolgt ohne Kriegserklärung.
Um 6.45 Uhr setzen sich die französischen Truppen nach Norden über die belgische Grenze in Bewegung. Wesentliche Aufgabe der britischen Divisionen war es, ein Schutzschild um Brüssel aufzubauen.
An
jenem 10. Mai stehen zahllose Ostbelgier am Straßenrand und jubeln den deutschen Soldaten zu, bei den einen stand der buchstäbliche Jubel deutlich ins Gesicht geschrieben, bei den anderen war es tiefe Betroffenheit.

Revisionisten und Probelgier

Um zu verstehen, weshalb die Eupen-Malmedyer an jenem 10. Mai vor 70 Jahren so unterschiedlich reagierten, muss mit sechs Jahrzehnten Abstand zum damaligen Geschehen in die Zeit zurückgegangen werden.
Als meine Heimat, 1815 vom Wiener Kongress zu Preußen geschlagen und seit 1871 Teil des Deutschen Reiches, nach der deutschen Niederlage von 1918 dem Königreich Belgien zugesprochen wurde, standen die nunmehrigen Ostbelgier sich an zwei Fronten gegenüber: einerseits gab es die "Revisionisten", diejenigen, die sich mit dem 'Vertrag von Versailles' nicht abfinden wollten, und andererseits die "Probelgier", diejenigen, die das Belgischsein akzeptierten. Die Situation verschärfte sich als "drüben" Hitler an die Macht kam und die "Heimattreuen" vom Reich vereinnahmt und finanziert wurden. Die Fronten verhärteten sich (während die "Probelgier" mit Schimpfworten überlagert wurden, saßen die "Heimattreuen" im Saal und probten Hitlergruß...), das Volk war schließlich in zwei geteilt, eine Situation, die aus heutiger Sicht wohl kaum noch nachvollziehbar ist.

"Heimattreue" halfen tatkräftig mit

Bei den einrückenden deutschen Truppen befanden sich mitunter zahlreiche fahnenflüchtige Soldaten aus Eupen-Malmedy. Aus Sankt Vith sollen von 110 belgischen Soldaten 45 zur Wehrmacht übergelaufen sein. Zudem leisteten "heimattreue" Zivilisten aus dem Gebiet Eupen-Malmedy den einrückenden deutschen Truppen Lotsendienste oder räumten gar belgische Straßensperren weg.

Belgische Beamte und Probelgier waren rechtzeitig gewarnt worden und konnten sich mit ihren Familien nach Belgien zurückziehen. Dennoch wurden kurz nach dem Einmarsch verschiedene Probelgier sowie die wenigen wohnhaften Juden in "Schutzhaft" genommen.

Die "Befreiung" von Sankt Vith

Am 10. Mai 1940 schritten jene, die diesen Tag längst ersehnt hatten, zur "Machtergreifung", der Kirchenstandort Sankt Vith im Süden der heutigen Ostkantone blieb hiervon nicht verschont.

Für Sankt Vith kommt es während der Machtergreifung um ein Haar zu einer Tragödie. Wir schreiben den 10. Mai 1940, 5.13 Uhr Ortszeit. Als am Bahnhof Bahndirektor Drèze das Abfahrtssignal für einen mit Probelgiern vollbesetzten Zug gibt, taucht dort im gleichen Augenblick ein Trupp von deutschen Soldaten auf. "Hier soll gerade erst ein mit Flüchtlingen vollge- pfropfter Triebwagen in Richtung Vielsam abfahren", hieß es. Zugleich ge- riet der Wagen unter heftigem Beschuss des Stoßtrupps, jedoch gelang es diesem, davonzufahren. Der Wagen kommt bis hinter Born, wo die ge- sprengte Unterführung Halt gebietet. Die Insassen flüchten zu Fuß weiter.
Ungleich blutiger geht es beim Sturm auf die Sankt Vither Gendarmerie zu, auf die ein anderer Stoßtrupp angesetzt ist. Es entwickelt sich eine wilde Schießerei, bei der mehrere Gendarmen verwundet wurden, davon zwei so schwer, dass sie später im Sankt Vither Krankenhaus starben. Maurice Volkaert und Emile Cortens sind die beiden ersten Gefallenen des Westfeld- zugs im Sankt Vither Raum.

Eupen-Malmedy

Was geschah am 10. Mai 1940 im annektierten Gebiet Eupen-Malmedy?
Nun, weil die belgischen Truppen ihre Stellungen in Ostbelgien weitgehend verließen, um sich hinter dem Lütticher Befestigungsring zurückzuziehen, kam es in Eupen-Malmedy nur zu unbedeutenden Gefechten und geringen Zerstörungen, sodass die "Befreiung" Eupen-Malmedys in nur wenigen Stunden praktisch kampflos erfolgte.

Bereits um 14 Uhr wehte auf dem Eupener Rathaus die Reichsflagge.

"Befreiungskundgebung" auf dem Eupener Werthplatz (Quelle: GEV Eupen)

Ankunft der NS-Prominenz

"Befreiungskundgebung" am 22. Mai 1940 im Eupener Stadion (Quelle: GEV Eupen)

Die "Befreiungskundgebung" mit dem Kölner Gauleiter GROHE im Eupener Stadion am 22. Mai 1940

Links: Das Plakat zur Ausstellung "Die verdrängten Jahre". Rechts: Sondermarke anlässlich der "Heimkehr" Eupen-Malmedys

Der erste Eupener Gefallene

Der vermutlich erste Eupener KRIEGS-Tote war Josef GODESAR, der unter besonders tragischen Umständen am 11. Mai mit fünf seiner Landsleute durch deutsche Fallschirmjäger erschossen wurde.
Der Berufssoldat war am 9. Mai 1940 nach Baelen, dort wo seine Familie wohnte, in Urlaub gekommen. Als er am frühen Morgen des 10. Mai erkannte, dass die Deutschen anrückten, versuchte er mit dem Fahrrad nach Tongern zu kommen. Unterwegs traf er mehrere Landsleute mit gleichem Ziel.
Im limburgischen Vreven standen er und seine Kameraden plötzlich deutschen Fallschirmjägern gegenüber. Sie waren hinter der Front abgesprungen.
Die Fallschirmjäger schickten einen von ihnen in den Ort, um festzustellen, ob dort belgisches Militär war. Seine Kameraden würden erschossen, falls er nicht zurückkehren sollte. Als der Soldat tatsächlich nicht zurückkam, machten die Fallschirmjäger ihre Drohung war. Der Pastor von Vreven war Zeuge dieser grausamen Hinrichtung und informierte die Angehörigen.

Die Kapitulation Belgiens am 28. Mai 1940

Am 15. Mai unterzeichnete General Winkelman die Kapitulation der niederländischen Armee. Königin Wilhemina hatte zuvor das Land verlassen und eine Fortführung des Widerstandes angekündigt. Zur gleichen Zeit zog sich die belgische Armee hinter dem Fluß Dyle zurück, um hinter diesem natürlichen Schutzwall die belgische Hauptstadt Brüssel zu verteidigen. Die Dyle-Stellung wurde bereits am 16. Mai 1940 durchbrochen, einen Tag später fiel Brüssel.

Die belgische Armee wurde im Raum Brügge eingekesselt und ergab sich am 28. Mai 1940. König Leopold III. ging mit seinen Soldaten in Gefangenschaft. Der Kommandant des Forts Tancremont, unweit des Wallfahrtortes Banneux, Devos, ließ seine Geschütze auch nach der Kapitulation Belgiens durch den König weiter feuern. Einen Tag später kapitulierte auch er.

Am Abend des 13. Juni 1940 standen die deutschen Truppen vor Paris.

10. Mai 1940

Das Buch "10. Mai 1940 - Zwischen Aachen und Lüttich" beschreibt die Situation in Aachen und im ostbelgischen Grenzraum unmittelbar vor und nach dem Einmarsch der deutschen Truppen. Ausführlich beschrieben wird außerdem die Einnahme der zum Lütticher Festungsring gehörenden Forts EBEN-EMAEL, BATTICE, AUBIN-NEUFCHATEAU und TANCREMONT.

Das Werk in seiner 2. Auflage wurde im Jahre 1990 herausgegeben und umfasst 155 Seiten, ein Produkt von Robert HEEREN und Manfred BIERGANZ.

Die nachstehenden Aufnahmen schildern die Ereignisse vom 10. Mai 1940 vor und im Eupener Rathaus. Man betrachte vor allen Dingen die Reichskriegsflagge auf dem Dach des Rathauses und den Hitler-Willkommensgruß. Bild unten rechts: Einmarsch der Deutschen in Weismes (Quelle: Bundesarchiv Koblenz/Bildarchiv).

Textnachweis: Grenz-Echo Verlag (GEV) Eupen

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