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03.2013 Hodiamont-Messe

ZEITUNGSARTIKEL > 2013

«Krieg und Versöhnung»
Ausstellung in der früheren NS-Ordensburg «Vogelsang»

"Immer mehr Mitschüler mussten zum Militär.
Ich wurde zunächst als Ausländer
zurückgestellt.

Als
der so genannte totale Krieg ausbrach,
wurde
ich in die O.T. (Organisation
Todt
) eingezogen. Ich musste in der Nacht die
Toten einsammeln und einsargen."

Die kontrastreiche Gemäldeausstellung lässt subjektiv nachempfinden, wie der Künstler und Otto Pankok-Meisterschüler «Peter Hodiamont» (1925- 2004) seine Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg verarbeitete.

Kontrastreich ist die Ausstellung «Krieg und Versöhnung» im Atrium des Kulturkinos in Vogelsang deshalb, weil sie zum einen das blu- tige Gesicht des Krieges zeigt, zum anderen je- doch auch positive Perspektiven, Bilder mit Hoff- nungsmotiven.

Als gebürtiger Niederländer wurde der 2004 ver- storbene deutsche Künstler Peter Hodiamont (bis zu seinem Ableben lebte er im Belgischen Baelen) in der Organisation Todt zwangsrekru- tiert. Mit einem Schreiner musste Hodiamont am Niederrhein (Wesel, Xanten, Kleve) die Toten ein- sammeln und einsargen. Die schrecklichen Kriegs- bilder brannten sich in seiner Seele ein.

Die in der Ausstellung gezeigten Werke malte Ho- diamont, erst nachdem er die Aachener Wehr- machtsausstellung 'Vernichtungskrieg. Ver- brechen der Wehrmacht 1941 bis 1944' be- sucht hatte.

Die Ausstellung fand ein derart positives Echo, dass die Ausstellungsdauer bis Ende 2013 ver- längert wurde.

Immer mehr Mitschüler mussten zum Militär. Ich wurde zunächst als Ausländer zurückgestellt, und in den Jahren 1942 und 1943 war ich einziger Schüler. Dann erhielt ich 1944, als der Krieg zu Ende ging, die Matura ohne Abiturprüfung.
Als der so genannte «totale Krieg» ausbrach, wurde ich in die O.T. (Organisation Todt) eingezogen. Mit einem Schreiner musste ich am Niederrhein (Wesel, Xanten, Kleve) in der Nacht, nach den Bomben- teppichen, die Toten einsammeln und einsargen. Vier Schwestern lebten mit der Mutter in Aachen, fuhren wegen der Bombenangriffe abends zum Schlafen nach Belgien. Eine Schwester lebte am Nieder- rhein, die andere verbarg sich mit dem Vater während der «Evakuierung» im Keller des «Hauses Jo- hanniterstraße». 1945 im Mai war das Kriegsende. Meine Suche nach Eltern und Geschwistern ging nur über das Rote Kreuz. Mehrmals fuhr ich mit dem Fahrrad von Borken in Westfalen über Bislich, Xanten und den Hürtgenwald nach Aachen. Damals entstanden meine Zeichnungen und Bilder von den Erleb- nissen dieser Zeit.

Peter Hodiamont

Selbstbildnis 1946

Stichwort «NS-Ordensburg Vogelsang»

Die «streng geregelte Ausbildung des politisch ge- steuerten Führungsnachwuchses» spielte innerhalb der Nationalsozialistischen Partei eine große Rolle. Einrich- tungen zur weltanschaulischen Schulung enstanden so in Crössinsee (Pommern) und Sonthoven (Allgäu).

Die NS-Ordensburg «Vogelsang» soll jedoch nach Einschätzungen von Denkmalschützern eine Sonder- stellung unter den früheren NS-Ordensburgen ein- genommen haben. Sie zählte zu den größten Ordens- burgen und gilt heute als das einzig erhaltene «Land- schaftsdenkmal des Dritten Reiches», das noch vor Ort erlebbar ist.

Nur wenige Zeit nach Hitlers Machtergreifung entstand in Vogelsang nach den Entwürfen des Kölner Architekten Cle- mens Klotz die «NS-Ordensburg Vogelsang», ein gigantischer Gebäude-Komplex, der für insgesamt 1000 Menschen ausgelegt war. Neben sehr einfachen und streng funktionalen militärischen Zweckbauten für die «Junker» und das Personal entstanden so nach dem Baubeginn 1934 Gebäude zur Repräsentation und Selbstdarstellung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei.
Offiziell wurde die Burg Vogelsang am 1. Mai 1936 den Schülern zur Verfügung gestellt. Der Schulbetrieb lief bis 1939. Junge Führungsanwärter verbrachten ein Jahr ihrer dreijährigen Ausbildungszeit auf Vogelsang. Schwerpunktthema war die «rassistische Philosophie des Nationalsozialismus».
Adolf Hitler selbst hat Vogelsang zweimal offiziell besucht, im Herbst 1936 und Frühling 1937. Dazu heißt es in einer deutschen Tageszeitung vom 21. November 1936: "Trotz der schneidenden Kälte ... hatte eine große Menschenmenge seit Stunden ausgeharrt, um den Führer zu sehen. In langsamer Fahrt durchfuhr dieser ein sieben Kilometer langes Spalier, immer wieder von jubelnder Begeisterung begrüßt. In ... Herhahn hielt der Wagen, damit Adolf Hitler alle Soldaten persönlich begrüßen konnte. Besonders schien er sich gefreut zu haben, als er am «Walber- hof» zahlreiche Männer und Frauen aus Eupen und Malmedy sah."
Während der Jahre 1940 bis 1945 beherbergte die Ordensburg unter anderem eine «Adolf-Hitler-Schule», später ein deutsches Kriegslazarett.
1945 besetzte die US-Armee die Anlage. Von 1946 an nutzte erst das britische und dann das belgische Militär die Ordensburg und das angrenzende Areal als Truppenübungsplatz.
Mit dem Abzug des belgischen Militärs vom Truppenübungsplatz wurden am 1. Januar 2006 die frühere NS-Or- densburg und das Übungsgelände für die Öffentlichkeit freigegeben.
Heute befindet sich dieser historische Ort im Wandel und beinhaltet als «Internationaler Platz» ein Ausstellungs- und Bildungszentrum, ist außerschulischer Lern- sowie kultureller Veranstaltungs- und Tagungsort.

Besuch Hitlers auf der Ordensburg 1937

Die Ausstellung kann noch bis Ende 2013 im Atrium des Kulturkinos in Vogelsang besichtigt werden. Täglich von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Das Atelier und die Werkräume von Peter Hodiamont können an jedem ersten Sonntag im Monat zwischen 14 und 18 Uhr kostenlos besichtigt werden. Mazarinen 9 in B-4837 Baelen.

Grenz-Echo, Ausgabe vom 27. März 2013

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