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02.2013 Maria Rokhlina

ZEITUNGSARTIKEL > 2013

«Die Schrecken des Krieges werde ich den Deutschen nie verzeihen»

"Ich sehe mich immer noch die zuckenden Eingeweide eines Soldaten in den
Händen halten, der gar nicht verstanden hatte,
was passiert war."

Maria ist immer noch sichtlich gefasst, wenn sie
an
die damaligen Ereignisse zurückdenkt.

Es ist die Geschichte einer Frau, die die Schlacht von Stalingrad vor 70 Jahren hautnah erlebt hat. Eine Geschichte, die mich sehr bewegt hat und die ich euch nicht vorenthalten möchte.

FREI INS DEUTSCHE ÜBERSETZT!

Sie ist 89 Jahre alt. Sie erlebte die Schlacht von Stalingrad vor 70 Jahren. Es ist so, als ob es gestern ge- wesen wäre. Und aus diesem Grund kann Maria den Deutschen nicht vergeben.
Als Krankenschwester der Roten Armee hat sie lebenden Menschen die Sehne durchtrennt, sah aufge- schlitzte Leichen und half völlig unterkühlten verängstigten Menschen, die sich an Leichen aufzuwär- men versuchten. 70 Jahre nach Stalingrad hat Maria, 89 Jahre, nichts vergessen.
"Die Greueltaten der Deutschen, die ich hautnah miterleben musste, werde ich den Deutschen nie ver- zeihen", sagt die alte Dame sitzend in den Räumlichkeiten eines im Zentrum von Moskau ansässigen Kriegsveteranenverbands. "Ich sehe mich immer noch die zuckenden Eingeweide eines Soldaten in den Händen halten, der gar nicht verstanden hatte, was passiert war." Und auch von Panzern zerquetschte Kinder hat sie gesehen.
Durch Granatsplitter verwundet
Geboren in einer Militärsfamilie in der Ukraine, wollte Maria schon am 22. Juni 1941, dem Tag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion, an die Front, genauso wie ihre Klassenkameradinnen. Mit 17 Jahren wussten sie alle mit Maschinengewehren umzugehen und konnten erste Hilfe leisten. "Man sagte uns, dass wir später dran kämen", erinnert sie sich. Einige Monate später wird sie von einer gepanzerten Einheit als Krankenschwester angestellt.
Im Juli 1942 wird sie im Gesicht von einem Granatsplitter verwundet. Maria wird in ein Krankenhaus nahe Stalingrad eingeliefert, der Stadt an der Wolga, die durch den deutschen Großangriff Massengrab Millionen unschuldiger Menschen wurde.
Am Morgen des 23. August, einige Stunden vor der massiven Bombardierung auf Stalingrad, betraten Maria und zwei andere Schwestern zum ersten Mal die Stadt. "Ich fand sie eigentlich ziemlich hässlich", erinnert sie sich.
Die Mädchen gingen ins Kino, anschließend in den Park, um eine Kleinigkeit zu essen.
"Plötzlich bebte die Erde", sagt sie. "Mit fünf anderen sprangen wir in ein Loch. Ihre Körper retteten uns das Leben."
1000 Tonnen Bomben
An diesem Tag warf die deutsche Luftwaffe 1000 Tonnen Bomben über Stalingrad. Wenige Tage später begann die deutsche Bodenoffensive. Die Kämpfe fanden in den Straßen und Gebäuden statt. Die deutsche Luftwaffe bombardierte weiterhin die Stadt.
"Bomben, jeden Tag, von neun Uhr morgens bis vier Uhr nachmittags", erinnert sich die Überlebende Taïssia Postnova, 93 Jahre. Zweimal waren wir in unserem Bunker nach Explosionen unter der Erde begraben, aber wir wurden zweimal ausgegraben und sind am Leben geblieben."
Als Medizinstudentin in Novosibirsk, Sibirien, wurde sie im September 1942 an die Front geschickt und wurde direkt mit den Schrecken des Krieges konfrontiert.
"Es wurden immer neue Verwundete eingeliefert. Die Hälfte davon ging zurück an die Front", sagt Taïssia.
Als die Nahrung knapp wurde, hat sie sich lange nur mit Brot und einigen Wassertropfen am Leben gehalten. "Diejenigen, die nicht mehr konnten, gingen an die Wolga, um Wasser zu holen, und starben im Kugelhagel", sagt sie weiter.
"Jedoch waren wir nicht verängstigt. Wir hatten nur ein Ziel vor Augen: den Sieg. Und oft sagten Ster- bende: Ich sterbe für das Vaterland, für Stalin. Ohne Stalin hätten wir den Krieg verloren."
Stalins Pläne und klare Worte "Keinen Schritt zurück!" wurden durch Spezialeinheiten umgesetzt, die den Befehl erteilt bekommen hatten, jeden Fahnenflüchtigen zu erschießen.
Angeblich besser versorgt
Der einzige "Trost" in dieser Hölle war, dass wir den Soldaten der Roten Armee bessere Bewaffnung und ausreichend Nahrung versicherten. "Es half uns, obwohl wir oft aus der gleichen Schüssel und mit nur einem Löffel aßen", erinnert sich Maria Rokhlina.
Für die Erste-Hilfe-Maßnahmen musste ich mich mit "Bandagen, Jod und einer Gartenschere zufrieden geben, mittels der ich die Sehnen durchtrennte. Ein Soldat half mir dabei."
Die 40 Kilo schwere zierliche Krankenschwester mit Sommersprossen musste aber auch viele andere Dinge bewältigen. "Eines Tages habe ich mit einer Kollegin einen schwer verwundeten Offizier aus der Wolga gezogen. Er hatte Skier an und war so schwer, dass ich aus Erschöpfung Angst hatte, ihn zu ver- lieren und meine Mission zu verfehlen."
Minus … 30 Grad kalt war in diesem Jahr der Winter in Stalingrad.
Für Tod erklärt
Ende Januar 1943, in den Ruinen eines Gebäudes, lehnte sich Maria völlig unterkühlt und erschöpft an die noch warmen Körper deutscher Leichen, um zu überleben. "Es waren vier Körper, ich legte mich auf sie, ich schlief ein und fühlte den Tod kommen", sagt sie.
Am 2. Februar 1943 ergab sich schließlich die von den Sowjets eingekesselte deutsche Armee unter General Paulus. "Ich überlebte", sagt Maria einfach. "Ich habe keinen Deutschen getötet, habe aber auch keinen Deutschen medizinisch versorgt."

LE JOUR VERVIERS, Ausgabe vom 2. Februar 2013

Gedenken an den Sieg in der entscheidenden Schlacht von Stalingrad

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